Die zweite Halbzeit: Warum die Ruhestandsplanung kein Selbstläufer ist
Hier sind häufige Fehler, die wir in der Praxis beobachten, und wie Sie diese umschiffen.
1. Das „Festgeld-Fata-Morgana“-Syndrom
Der Drang nach Sicherheit ist im Ruhestand verständlich. Viele Anleger neigen dazu, ihr gesamtes Depot in vermeintlich sichere Häfen wie Tagesgeld oder kurzlaufende Staatsanleihen umzuschichten.
Das Problem: Die Inflation schläft nicht. Bei einer durchschnittlichen Inflation von zwei bis drei Prozent halbiert sich die Kaufkraft Ihres Geldes im Laufe eines langen Ruhestands fast. Wer nur auf Sicht fährt, riskiert, dass ihm am Ende des Geldes noch zu viel Leben übrig bleibt.
Die Lösung: Behalten Sie in Ihrem Depot eine moderate Aktienquote bei. Sie brauchen Wachstumswerte, um die Inflation auszugleichen.
V-CHECK Webinar: Schutz vor Inflation – ist Gold eine Lösung?
Die Preise steigen, die Kaufkraft sinkt – und das Vertrauen in klassische Anlageformen bröckelt. In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und geopolitischer Spannungen rückt ein altbewährter Wertspeicher wieder in den Fokus: Gold. Doch wie stabil ist das Edelmetall wirklich, wenn Märkte schwanken, Zinsen steigen und Währungen an Vertrauen verlieren?
Im Webinar erhalten Sie Antworten auf folgende Fragen:
- Kann Gold tatsächlich vor Inflation und Währungsverlust schützen – oder ist der Ruf besser als die Realität?
- Wie lässt sich Gold mit anderen Anlageklassen kombinieren, um Stabilität und Rendite zu verbinden?
- Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Einstieg – und worauf müssen Anleger achten?
2. Die Unterschätzung des „Sequence of Returns“-Risikos
Das ist der Fachbegriff für ein Phänomen, das über Erfolg oder Scheitern entscheidet. Wenn die Märkte genau in den ersten Jahren Ihres Ruhestands einbrechen und Sie gleichzeitig beginnen, Kapital zu entnehmen, schrumpft Ihr Depot überproportional schnell. Es fehlt die Substanz, um von der anschließenden Erholung zu profitieren.
Ein Rechenbeispiel: Stellen Sie sich vor, Ihr Depot verliert im ersten Jahr 20 Prozent, während Sie gleichzeitig vier Prozent für Ihren Lebensunterhalt entnehmen. Ihr Kapitalstock ist nun so stark dezimiert, dass selbst eine kräftige Markterholung Jahre brauchen wird, um den Verlust auszugleichen.
Die Lösung: Bauen Sie eine Cash-Reserve (Cash Bucket) für zwei bis drei Jahre auf. So müssen Sie in einer Baisse keine Anteile mit Verlust verkaufen.
Mehr Informationen über zur Cash-Reserve finden Sie im folgenden Beitrag:
Im Leben können immer wieder unvorhergesehene Dinge passieren. Aus diesem Grund ist es wichtig, eine eiserne Reserve einzuplanen. Wie man diese aufbaut und welche Tricks es gibt, um Liquidität sinnvoll anzulegen.
3. Die „Alles für die Erben-Falle“
Viele Deutsche neigen dazu, ihren Lebensstil im Alter unnötig einzuschränken, um den Kindern ein möglichst großes Erbe zu hinterlassen. Das ist zwar edel, führt aber oft dazu, dass die eigene Lebensqualität leidet, während die Erben das Geld erst bekommen, wenn sie selbst schon kurz vor der Rente stehen.
Die Lösung: Denken Sie über Schenkungen zu Lebzeiten nach (Stichwort: Steuerfreibeträge, die man alle zehn Jahre nutzen kann). Das bereitet mehr Freude und gibt Ihnen die Freiheit, Ihr verbleibendes Vermögen ohne schlechtes Gewissen für sich selbst zu genießen.
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4. Wir unterschätzen systematisch, wie alt wir werden
Leider gibt es die “Alles für die Erben-Falle” auch andersherum. Ein heute 65-jähriger Mann hat eine gute Chance, 85 oder 90 zu werden; bei Frauen liegt die Lebenserwartung oft noch höher.
Der Fehler: Ohne konkreten Entnahmeplan zu leben. Viele entnehmen entweder zu viel (und das Geld ist mit 80 weg) oder aus Angst viel zu wenig.
Die Gefahr: Die Pflegekosten. Ein Heimplatz kann heute problemlos 3.000 bis 5.000 Euro Eigenanteil pro Monat kosten. Wer das nicht im Budget hat, greift die Erbsubstanz der nächsten Generation massiv an.
Mini-Checkliste
Sind Sie auf die Entnahmephase vorbereitet?
- Habe ich eine realistische Planung bis mindestens 90 Jahre?
- Ist mein Vermögen in Liquiditäts-, Stabilitäts- und Wachstumsteile strukturiert?
- Habe ich zwei bis drei Jahre Ausgaben als Reserve verfügbar?
- Weiß ich, wie viel ich jährlich entnehmen kann, ohne die Substanz anzugreifen?
- Sind mögliche Pflegekosten einkalkuliert?
- Bin ich zum Renteneintritt schuldenfrei?
Wenn Sie mehr als zwei Punkte nicht sicher beantworten können, lohnt sich ein strukturierter Ruhestands-Check mit einem Vermögensverwalter.

Realitätscheck: Lebenshaltungskosten & Schulden
„Im Ruhestand brauche ich weniger Geld“ – dieser Satz ist oft ein Trugschluss. Ja, die Fahrtkosten zur Arbeit fallen weg, aber Hobbys, Reisen und die Gesundheit kosten Geld.
Unrealistische Kalkulation: Oft werden Instandhaltungskosten für die Immobilie oder steigende PKV-Beiträge vergessen.
Altlasten: Mit Schulden in den Ruhestand zu gehen, ist brandgefährlich. Zinszahlungen sind fixe Kosten, die Ihre Flexibilität rauben, wenn die Märkte mal schwächeln. Ziel sollte die Schuldenfreiheit zum Renteneintritt sein.
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Ein Lombardkredit auf das eigene Depot kann im Alter Liquidität schaffen, ohne Wertpapiere zu verkaufen. In den USA ist diese Strategie weit verbreitet. Vermögensverwalter sehen darin eine flexible, aber riskante Lösung.
Herzlichen Glückwunsch! Sie haben jahrzehntelang gespart und diszipliniert in den Kapitalmarkt investiert. Jetzt ist der große Tag da: der Ruhestand. Viele denken, mit dem letzten Arbeitstag sei die „Finanz-Arbeit“ erledigt. Doch Vorsicht: Die Entnahmephase ist das psychologische und strategische Endspiel der Geldanlage – und hier lauern Fallen, die tückisch sind.
2026 erfolgen in verschiedenen Bereichen spürbare steuerliche Weichenstellungen: neue Meldepflichten für Kryptowerte, verbesserte Abschreibungen im Immobilien- und Unternehmensbereich, steuerfreien Hinzuverdienst in der Aktivrente und eine Debatte zur Erbschaftsteuer. Doch was bedeuten die neuen Regeln für die Strukturierung eines Vermögens?