Lombardkredite: Riskantes Spiel für den Ruhestand
Hinweis: Dieser Text wurde durch den freien Journalisten Alexander Heintze mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt.
Steigende Zinsen und gute Börsenjahre wecken bei vielen Anlegern neue Ideen für den Ruhestand. Eine davon lautet: nicht verkaufen, sondern beleihen. Wer sein Depot als Sicherheit für einen Lombardkredit nutzt, erhält monatliche Entnahmen und behält das Depot. Der Ansatz klingt nach einer eleganten Lösung. Sven Albrecht, Geschäftsführer und Gründer der Albrecht, Kitta & Co. Vermögensverwaltung & Family Office aus Hamburg, nennt den Gedanken „interessant.“
Ein Lombardkredit könne im Ruhestand als „Liquiditätsbrücke“ steuerlich attraktiv sein, weil Wertpapiere nicht verkauft werden und damit keine Abgeltungsteuer oder Solidaritätszuschlag anfallen. „Solange das Depot langfristig mehr erwirtschaftet als der Kreditzins kostet, funktioniert die Rechnung rein mathematisch sogar gut“.
Solche Lombardkredite sind etwa in den USA weit verbreitet. Sowohl Banken als auch digitalen Plattformen nutzen sie, um Anlegern Liquidität gegen Wertpapierportfolios bereitzustellen. Doch Albrecht warnt: „Ohne ein sehr großes, solide strukturiertes Portfolio ist das kein cleverer Ruhestandsplan.“ Stimmten die Rahmenbedingungen, sei der „Lombardkredit ein etabliertes und nützliches Instrument zur Steigerung von Portfoliorenditen.“
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Finanzieller Drahtseilakt
Doch die vermeintliche Sicherheit eines Lombardkredits kann schnell zu einem finanziellen Drahtseilakt werden, findet Karsten Müller von Das Wertehaus in München: „Für uns ist diese Lösung indiskutabel.“ Er erinnert an die Jahre der geplatzten Internetblase, in denen der DAX 80 Prozent verlor. „In solch einer Zeit wäre das Depot komplett liquidiert worden und hätte hoffentlich noch für die Rückzahlung des Darlehens gereicht“, warnt Müller. Wenn nicht, müsse der Kredit dennoch getilgt werden. Auch spätere Krisen wie Lehman, Eurokrise oder Corona hätten gezeigt, dass Depots vorübergehend stark an Wert verlieren können. Je länger der Abwärtstrend dauere, desto größer sei die Gefahr, das gesamte Kapital zu verlieren.
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Neben Nachschussforderungen kann die Bank im Extremfall die Wertpapiere verkaufen, um das Pfandrecht zu sichern. Wenn der Beleihungswert des Depots nicht mehr zur Abdeckung der Kreditsumme ausreicht, könne die Bank das Depot „zur Unzeit und ohne Rücksprache mit dem Anleger zu niedrigen Kursen“ liquidieren, erklärt Stefan Böhmerle von e/r/w Vermögensmanagement in Stuttgart. Die Verluste seien dann endgültig und eine spätere Markterholung helfe nicht mehr.
Nur unter bestimmten Voraussetzungen vorteilhaft
Auch der Steuervorteil sei nicht von Dauer, so Böhmerle. „Die Besteuerung der Kursgewinne in die Zukunft zu verschieben, kann, muss aber nicht zwingend von wirtschaftlichem Vorteil für den Anleger sein.“ Der Lombardzins lasse sich zudem nicht steuerlich absetzen. Bei vier Prozent Kreditkosten müsse ein Anleger mehr als fünf Prozent Nettorendite erzielen, um allein die Zinslast auszugleichen. Dafür brauche es einen hohen Anteil an risikoreichen Anlagen. Das bringe spürbare Schwankungen mit sich. Da Lombardkredite zudem meist variabel verzinst sind, kann sich die Mindestrendite, die das Depot erzielen muss, sogar noch erhöhen.
Als dauerhaftes Modell lehnt Böhmerle den Ansatz ab. Doch er sieht eine begrenzte Möglichkeit, einen Lombard zeitweise und situativ einzusetzen: „In guten Zeiten kann der Anleger seinen Lebensunterhalt durch die Entnahme der Erträge und die Realisierung von Gewinnen abdecken. In nachhaltigen Schwächephasen würde es sich anbieten, die notwendigen Entnahmen temporär aus einem Lombardkonto zu tätigen, die Markterholung abzuwarten und erst nach Aufholung der Verluste zu verkaufen, um das Lombardkonto wieder auszugleichen.“
Am Ende bleibt die Erkenntnis: Der Lombardkredit ist ein Werkzeug, aber kein Ruhestandsplan. Oder wie Albrecht sagt: Ein Kredit ohne großes Depot sei „schlicht ein Hebel auf das falsche Lebensjahrzehnt“.
Beispielrechnung: So viel Rendite muss ein Depot erzielen, damit der Lombardkredit sich lohnt
| Schritt | Beschreibung | Berechnung | Betrag |
|---|---|---|---|
| Schritt 1 | Höhe Zinszahlungen (bei 4 % Zinssatz, 10.000 € Kreditsumme) | 10.000 € × 0,04 | 400 € |
| Schritt 2 | Wie hoch muss der Gewinn vor Steuer sein? Es werden 26,375 % Steuer abgezogen. Folglich bleiben 73,625 % übrig. | 400 € ÷ 0,73625 = 543,30 € | 543,30 € |
| Schritt 3 | Kosten für Depotführung (1 % von 10.000 €) | 10.000 € × 0,01 | 100 € |
| Schritt 4 | Notwendiger Bruttoertrag | 543,30 € + 100 € = 643,30 € | 643,30 € |
| Schritt 5 | Notwendige Bruttorendite berechnen | 643,30 € ÷ 10.000 € = 0,06433 = 6,433 % | 6,43 % |
Ergebnis: Um 400 € Zinsen, 143,30 € Kapitalertragsteuer und 100 € Depotkosten zu bezahlen, muss ein Bruttoertrag von ca. 643 € erzielt werden. Das entspricht einer notwendigen Bruttorendite von rund 6,43 % p.a.
Langfristig erzielen weltweit anlegende Aktienfonds nach der Statistik des Bundesverbandes Investmentfonds (BVI) durchschnittlich knapp 7 Prozent Rendite pro Jahr. Ausgewogene Mischfonds kommen auf 3,7 Prozent. Im aktuellen Umfeld müssten Anleger daher einen erheblichen Anteil risikoreicherer Anlagen im Portfolio haben, damit die Rechnung aufgeht.
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