Lombardkredite: Riskantes Spiel für den Ruhestand

Lombardkredite: Riskantes Spiel für den Ruhestand


Ein Lombardkredit auf das eigene Depot kann im Alter Liquidität schaffen, ohne Wertpapiere zu verkaufen. In den USA ist diese Strategie weit verbreitet. Vermögensverwalter sehen darin eine flexible, aber riskante Lösung.

Hinweis: Dieser Text wurde durch den freien Journalisten Alexander Heintze mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt.

Steigende Zinsen und gute Börsenjahre wecken bei vielen Anlegern neue Ideen für den Ruhestand. Eine davon lautet: nicht verkaufen, sondern beleihen. Wer sein Depot als Sicherheit für einen Lombardkredit nutzt, erhält monatliche Entnahmen und behält das Depot. Der Ansatz klingt nach einer eleganten Lösung. Sven Albrecht, Geschäftsführer und Gründer der Albrecht, Kitta & Co. Vermögensverwaltung & Family Office aus Hamburg, nennt den Gedanken „interessant.“

Was ist ein Lombardkredit?

Ein Lombardkredit ist ein besicherter Kredit mit einer kurz- bis mittelfristigen Laufzeit, den Banken gegen die Verpfändung von liquiden Vermögenswerten vergeben. Als Sicherheiten für den Kredit dienen typischerweise Wertpapiere wie Aktien, manchmal auch Edelmetalle oder Bankguthaben. Er gehört damit zu den flexibelsten Finanzierungsinstrumenten für Anleger mit einem größeren Depotvolumen. Die Verzinsung des Kredites orientiert sich häufig am Geldmarktzinssatz (plus Aufschlag).

Ein Lombardkredit könne im Ruhestand als „Liquiditätsbrücke“ steuerlich attraktiv sein, weil Wertpapiere nicht verkauft werden und damit keine Abgeltungsteuer oder Solidaritätszuschlag anfallen. „Solange das Depot langfristig mehr erwirtschaftet als der Kreditzins kostet, funktioniert die Rechnung rein mathematisch sogar gut“.

Solche Lombardkredite sind etwa in den USA weit verbreitet. Sowohl Banken als auch digitalen Plattformen nutzen sie, um Anlegern Liquidität gegen Wertpapierportfolios bereitzustellen. Doch Albrecht warnt: „Ohne ein sehr großes, solide strukturiertes Portfolio ist das kein cleverer Ruhestandsplan.“ Stimmten die Rahmenbedingungen, sei der „Lombardkredit ein etabliertes und nützliches Instrument zur Steigerung von Portfoliorenditen.“

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Finanzieller Drahtseilakt

Doch die vermeintliche Sicherheit eines Lombardkredits kann schnell zu einem finanziellen Drahtseilakt werden, findet Karsten Müller von Das Wertehaus in München: „Für uns ist diese Lösung indiskutabel.“ Er erinnert an die Jahre der geplatzten Internetblase, in denen der DAX 80 Prozent verlor. „In solch einer Zeit wäre das Depot komplett liquidiert worden und hätte hoffentlich noch für die Rückzahlung des Darlehens gereicht“, warnt Müller. Wenn nicht, müsse der Kredit dennoch getilgt werden. Auch spätere Krisen wie Lehman, Eurokrise oder Corona hätten gezeigt, dass Depots vorübergehend stark an Wert verlieren können. Je länger der Abwärtstrend dauere, desto größer sei die Gefahr, das gesamte Kapital zu verlieren.

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Geopolitische Spannungen, wachsende Staatsschulden, Kriegswirtschaft und die wachsende Bedeutung der BRICS-Staaten verändern die Spielregeln an den Finanzmärkten grundlegend. Regierungen und Notenbanken greifen stärker in das Marktgeschehen ein, während Inflation und Zinsen unsicher bleiben und Vermögenspreise neue Höchststände erreichen. Klassische Anlageparadigmen geraten jedoch ins Wanken. Ein klarer Überblick über diese Entwicklungen wird damit immer wichtiger.

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Neben Nachschussforderungen kann die Bank im Extremfall die Wertpapiere verkaufen, um das Pfandrecht zu sichern. Wenn der Beleihungswert des Depots nicht mehr zur Abdeckung der Kreditsumme ausreicht, könne die Bank das Depot „zur Unzeit und ohne Rücksprache mit dem Anleger zu niedrigen Kursen“ liquidieren, erklärt Stefan Böhmerle von e/r/w Vermögensmanagement in Stuttgart. Die Verluste seien dann endgültig und eine spätere Markterholung helfe nicht mehr.

Nur unter bestimmten Voraussetzungen vorteilhaft

Auch der Steuervorteil sei nicht von Dauer, so Böhmerle. „Die Besteuerung der Kursgewinne in die Zukunft zu verschieben, kann, muss aber nicht zwingend von wirtschaftlichem Vorteil für den Anleger sein.“ Der Lombardzins lasse sich zudem nicht steuerlich absetzen. Bei vier Prozent Kreditkosten müsse ein Anleger mehr als fünf Prozent Nettorendite erzielen, um allein die Zinslast auszugleichen. Dafür brauche es einen hohen Anteil an risikoreichen Anlagen. Das bringe spürbare Schwankungen mit sich. Da Lombardkredite zudem meist variabel verzinst sind, kann sich die Mindestrendite, die das Depot erzielen muss, sogar noch erhöhen.

Als dauerhaftes Modell lehnt Böhmerle den Ansatz ab. Doch er sieht eine begrenzte Möglichkeit, einen Lombard zeitweise und situativ einzusetzen: „In guten Zeiten kann der Anleger seinen Lebensunterhalt durch die Entnahme der Erträge und die Realisierung von Gewinnen abdecken. In nachhaltigen Schwächephasen würde es sich anbieten, die notwendigen Entnahmen temporär aus einem Lombardkonto zu tätigen, die Markterholung abzuwarten und erst nach Aufholung der Verluste zu verkaufen, um das Lombardkonto wieder auszugleichen.“

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Der Lombardkredit ist ein Werkzeug, aber kein Ruhestandsplan. Oder wie Albrecht sagt: Ein Kredit ohne großes Depot sei „schlicht ein Hebel auf das falsche Lebensjahrzehnt“.

Beispielrechnung: So viel Rendite muss ein Depot erzielen, damit der Lombardkredit sich lohnt

Schritt Beschreibung Berechnung Betrag
Schritt 1 Höhe Zinszahlungen (bei 4 % Zinssatz, 10.000 € Kreditsumme) 10.000 € × 0,04 400 €
Schritt 2 Wie hoch muss der Gewinn vor Steuer sein?

Es werden 26,375 % Steuer abgezogen. Folglich bleiben 73,625 % übrig.

400 € ÷ 0,73625 = 543,30 € 543,30 €
Schritt 3 Kosten für Depotführung (1 % von 10.000 €) 10.000 € × 0,01 100 €
Schritt 4 Notwendiger Bruttoertrag 543,30 € + 100 € = 643,30 € 643,30 €
Schritt 5 Notwendige Bruttorendite berechnen 643,30 € ÷ 10.000 € = 0,06433 = 6,433 % 6,43 %

Ergebnis: Um 400 € Zinsen, 143,30 € Kapitalertragsteuer und 100 € Depotkosten zu bezahlen, muss ein Bruttoertrag von ca. 643 € erzielt werden. Das entspricht einer notwendigen Bruttorendite von rund 6,43 % p.a.

Langfristig erzielen weltweit anlegende Aktienfonds nach der Statistik des Bundesverbandes Investmentfonds (BVI) durchschnittlich knapp 7 Prozent Rendite pro Jahr. Ausgewogene Mischfonds kommen auf 3,7 Prozent. Im aktuellen Umfeld müssten Anleger daher einen erheblichen Anteil risikoreicherer Anlagen im Portfolio haben, damit die Rechnung aufgeht.

Lombardkredit im Ruhestand – Das sind die Chancen und Risiken

Von Chris Holzheu, Berater bei der Albrecht, Kitta & Co. Vermögensverwaltung & Family Office aus Hamburg

 

Ein Lombardkredit kann Vermögenden ermöglichen, Liquidität aus dem Depot zu beziehen, ohne Wertpapiere sofort zu verkaufen. Dadurch werden Kursgewinne häufig nicht unmittelbar realisiert – die Besteuerung wird damit in vielen Fällen in die Zukunft verschoben. Erwirtschaftet das Depot mehr, als der Lombardkredit kostet, macht der Anleger einen zusätzlichen Gewinn (er hebelt sein Depot).

 

Wann die Idee grundsätzlich funktionieren kann

  • wenn das Depot langfristig mehr erwirtschaftet, als der Kredit kostet
  • wenn ein großes Wertpapiervermögen vorhanden ist und das Portfolio breit diversifiziert ist
  • wenn es eine klare Strategie gibt, wie der Kredit in unterschiedlichen Marktphasen genutzt (oder reduziert) wird

 

Die größten Risiken

  • Zinsrisiko: Lombardkredite sind häufig variabel verzinst – steigende Zinsen erhöhen die Anforderungen an die Rendite des Portfolios.
  • Marktrisiko: Fallen die Kurse, kann es zu Nachschussforderungen, einer Reduzierung des Kreditrahmens oder im Extremfall zur Liquidierung des Depots durch die Bank kommen.
  • Psychologie: Ein Kredit kann aus einem vorübergehenden Kursrückgang ein Liquiditätsproblem machen – gerade im Ruhestand.
  • Steuern: Die Steuerlast ist meist nur aufgeschoben (z. B. beim späteren Verkauf, beim Abbau des Depots oder beim Nachlass).

Die Anlage in Wertpapieren ist auch immer mit Risiken verbunden. Anleger sollten sich vor Abschluss einer Investition über die einschlägigen Risiken informieren. Nähere Informationen zu möglichen Risiken finden Sie unter: https://www.v-check.de/risikohinweise

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