SpaceX im ETF: Gefährdet der Börsengang Ihre Altersvorsorge?
Würden Sie für Ihre Rente in ein Unternehmen investieren, das Milliardenverluste macht aber angeblich dank wagen Zukunftshoffnungen ähnlich viel wert sein soll wie alle DAX-Mitglieder zusammen? Sagen Sie besser niemals nie, denn eventuell haben Sie schon Aktien von genau so einem Unternehmen in Ihrem ETF-Depot: SpaceX. „Das Börsendebüt von SpaceX liegt im Grenzbereich zwischen Raumfahrt, Satelliteninternet und Tech-Euphorie“, erklärt Petra Ahrens, Vorständin und Inhaberin der MAIESTAS Vermögensmanagement AG aus Köln. „Mit einer Bewertung von 1,8 Billionen US-Dollar und einem Nettoverlust im vergangenen Jahr von 4,9 Milliarden US-Dollar kauft man keine realistischen Zahlen, sondern wettet vor allem auf die Vision von Elon Musk, aus Starlink, Starship und möglicherweise KI eine Plattform für das nächste große Infrastruktur-Ökosystem im All zu bauen.” [Quelle: SpaceX’s IPO Filing: Big Spending, Big Losses | Morningstar, 20.05.2026]
Automatisch Hypewert im Depot
Die ersten Kurse nach dem Börsengang sorgten für Euphorie: Nach einem Ausgabepreis von 135 US-Dollar schoss in den ersten Tagen der Kurs hoch. Seitdem erlebt die Aktie eine Berg- und Talfahrt und notiert aktuell (Stand: 02.07.2026) bei etwa 138 bis 160 US-Dollar. SpaceX übersprang damit zum Start locker die Marke von zwei Billionen Dollar Börsenwert [Quelle: IPO/AKTIE IM FOKUS 3: Starker Börsengang – SpaceX mehr wert als Meta und Tesla, 12.06.2026]. Daran kommen logischerweise viele börsengehandelten Indexfonds (ETFs) nicht vorbei, die US-Werte enthalten. Denn die zugrundeliegenden Börsenbarometer werden oft nach Marktkapitalisierung zusammengestellt. Also vereinfacht gesagt finden sich im deutschen Leitindex DAX einfach die 40 Unternehmen, deren Kurswert mal Aktienanzahl am größten ist. Bildet ein ETF sowas nach, kauft er diese Werte, in der Regel entsprechend gewichtet.
So werden nach und nach viele Anleger mehr oder weniger direkt Anteile der nächsten großen Elon Musk-Zukunftswette im Depot haben. Denn SpaceX kam auf Anhieb in die Liste der wertvollsten Unternehmen der Welt. Damit ist die Aufnahme in ETF-Klassiker, die zum Beispiel auf dem MSCI World oder FTSE All-World basieren, entweder schon erfolgt oder nur noch eine Frage der Zeit. In Amerika sorgte vor allem die Gewichtung im NASDAQ 100 für Diskussionen. Denn ETFs auf die großen US-Techwerte finden sich in vielen Pensionsdepots. Durch erst kürzlich beschlossene Regelungen wird die Aufnahme in diesen Index schon nach wenigen Tagen vollzogen und die Gewichtung wird im Verhältnis zu den frei handelbaren Aktien relativ hoch sein. Doch ist das wirklich ein großes Problem?
V-CHECK Video: SpaceX Börsengang: Milliarden-Chance oder gefährliche Blase?
Noch vor dem möglichen Börsengang wird SpaceX mit rund 1,75 Billionen US-Dollar bewertet – eine Summe, die selbst erfahrene Marktbeobachter staunen lässt. Doch wie realistisch sind diese Erwartungen? Zwischen Zukunftsvisionen, Raumfahrt-Boom und KI-Fantasie stellt sich die Frage, ob Anleger vor einer einmaligen Chance oder vor erheblichen Risiken stehen.
Antworten von Börsenmoderator Andreas Franik im Gespräch mit Armin Glogger, Geschäftsführer von GLOGGER & PARTNER Vermögensverwaltung.
Megabörsengang erst der Anfang
Kurz gesagt, es gibt keinen Grund zur Panik: „Die Gewichtung von SpaceX wird unter dem Strich erstmal in den meisten Fällen relativ gering sein“, erklärt Stefanie Dyballa von der KSW Vermögensverwaltung AG aus Nürnberg. Selbst im NASDAQ 100 wird SpaceX anfangs nur im Bereich um ein Prozent die Wertentwicklung bestimmen [The SpaceX IPO: How Index Funds Are Adapting | Morningstar, 12.06.2026]. Im MSCI World und FTSE All-World liegt die Bedeutung sogar nur im Promillebereich [Folgen für ETF-Anleger: SpaceX landet in (fast) jedem Depot | Stiftung Warentest, 18.06.2026]. Andererseits stehen in nächster Zeit wohl noch mehr Börsengänge mit großen Vorschusslorbeer-Bewertungen an, wie etwa von den KI-Unternehmen OpenAI und Anthropic. „Ich bin mir sicher, dass derartige gehypte Bewertungen, hohe Investitionen und damit verbundene hohe Schulden uns irgendwann um die Ohren fliegen werden“, warnt MAIESTAS-Börsenexpertin Petra Ahrens. Auf lange Sicht sei das für den typischen ETF-Anleger kein grundsätzliches Problem. Wer regelmäßig spart, müsse sich um Korrekturen und Crashs eher keine Sorgen machen. Wer eher kurzfristig sein Geld in ETFs anlegt, der sollte sich dagegen die Dinge genauer ansehen.
Es gibt Börsengänge und es gibt historische Finanzereignisse. Sollte das Raumfahrtunternehmen SpaceX unter der Führung von Elon Musk wie geplant an die US-Technologiebörse Nasdaq gehen, wäre dies einer der größten Börsengänge der Kapitalmarktgeschichte.
ETF-Zusammensetzung prüfen
Ältere Semester fühlen sich an die Stimmung am Ende des letzten Jahrtausends erinnert, bevor im März 2000 die Dotcom-Blase platzte. Hier reichten oft – zumindest in der Rückschau – krude Zukunftshoffnungen, um hohe Börsenbewertungen zu rechtfertigen. Und ohne Frage gilt auch heute, dass Einzelinvestments in so enorm gehypte Unternehmen wie SpaceX mit hohen Schwankungsrisiken versehen sein können. Das heißt nicht, dass es sinnvoll wäre, Megatrends und Zukunftsvision gar nicht zu berücksichtigen. „Bisher wurde die Kursentwicklung gerade bei den großen US-Techwerten von einer dazu passenden Gewinnentwicklung getragen“, erklärt KSW-Expertin Stefanie Dyballa, „die Bewertungen sind zwar hoch, haben aber durchaus eine fundamentale Basis.“ Das spricht gegen die Analogie mit der Dotcom-Blase.
Trotzdem könnte es empfehlenswert sein, breit diversifiziert vorzugehen. „Die Zukunft gehört der Technologie und der KI, auch der Raumfahrt, der Rüstung und der Energiegewinnung“, meint MAIESTAS-Anlagefachfrau Petra Ahrens und mahnt zugleich: „Vergessen wir bitte nicht, was wir sonst noch zum Leben benötigen: Essen, Trinken, Hygiene, etc.“ In einem breit aufgestellten Portfolio sollten gerade diese momentan fast langweilig erscheinenden Aktienwerte einen Platz haben. Denn sie könnten Stabilität bieten, wenn dann doch mal die eine oder andere Zukunftstraumblase platzen sollte. Das kann mit ETFs gelöst werden, doch Anleger sollten genau hinschauen, was sie sich ins Depot holen. Denn gar nicht so selten ist auch hier die Tech-Branche überrepräsentiert oder der Fokus liegt auf dem US-Aktienmarkt. Um Klumpenrisiken zu vermeiden, könnte es für viele sinnvoll sein, sich bewusst breiter aufzustellen. “Das gilt nicht erst seit dem SpaceX-Börsengang”, so Finanzexpertin Ahrens. Doch vielleicht ist er eine gute Erinnerung, dass es nötig sein könnte.
Interview: Zukunftswetten allein eignen sich nicht für die “Altersvorsorge”
Grundsätzlich sollten Technologiewerte durchaus Teil einer breit aufgestellten Anlagestrategie für den Ruhestand sein, etwa als Bestandteil von ETFs. Auch hier gilt es, auf die Zusammensetzung zu achten, sagt Stefanie Dyballa von der KSW Vermögensverwaltung AG aus Nürnberg.
Ist der beim Börsengang aufgerufene Wert von SpaceX realistisch?
Dyballa: Das liegt im Auge des Betrachters, aber im Vergleich zu anderen Unternehmen ist SpaceX schon sehr teuer. Es wurde zum Start in etwa das 94-fache des Umsatzes als Bewertung aufgerufen.[1] Zum Vergleich, bei der auch von visionären Ideen beflügelten Tesla-Aktie liegen wir momentan im Bereich des 16-fachen.[2] Anleger kaufen mit SpaceX im Prinzip die Idee von Elon Musk mit dem Thema KI und Raumfahrt spektakuläre Durchbrüche zu erreichen. Sollte das alles so kommen und SpaceX wirklich in absehbarer Zeit Rechenzentren im All betreiben oder sogar die Besiedelung des Mars vorantreiben, könnte das in Zukunft den heute sehr hohen Preis rechtfertigen. Es gibt durchaus viele Experten, die an der Umsetzbarkeit so mancher Musk-Vision zweifeln. Wer letztendlich Recht behält, werden die nächsten Jahre zeigen.
[1] Ist die hohe Bewertung von SpaceX gerechtfertigt? | Morningstar Deutschland, 13.03.2026
[2] Aktuelle Kennzahlen Tesla Aktie • onvista, 22.06.26
Dyballa: Ganz klar: nein. Früher oder später wird die SpaceX-Aktie sowieso als Bestandteil bekannter Indices in viele ETFs wandern. Die Gewichtung ist für einen langfristigen Investor jedoch eher unproblematisch. Im NASDAQ liegen wir hier zumindest anfangs im Ein-Prozent-Bereich und noch deutlich geringer im MSCI World. Grundsätzlich sollten Zukunftstechnologien durchaus Teil einer breit aufgestellten Altersvorsorgestrategie sein, konzentriert auf einen Einzelwert zu setzen, würde ich ganz sicher nicht empfehlen.
Dyballa: Aufgrund der geringen Gewichtung ist das bei SpaceX erstmal eher unproblematisch und auch ein paar weitere Börsengänge werden das nicht grundsätzlich verändern. Doch es stimmt schon, dass die Sorge an den Märkten wachsen, dass wir uns in einer ähnlichen Situation befinden wie in der Dotcom-Euphorie. Bisher liefen allerdings die Gewinnsteigerungen bei Unternehmen wie Nvidia, Amazon oder Alphabet im Prinzip mit der Kursentwicklung mit. Ob das in Zukunft gelingt, sich die enormen Zukunftsinvestitionen wirklich rechnen und alle neuen Kandidaten die Erwartungen erfüllen, bleibt abzuwarten. Rückschläge sind also durchaus möglich. Für langfristig orientierte Anleger ist es aus meiner Sicht nicht geboten, aus Technologiewerten komplett auszusteigen. Denn anders als um die Jahrtausendwende sind die Bewertungen noch bei vielen Unternehmen zwar hoch, aber nicht völlig abgehoben.
Dyballa: Da bin ich ehrlich gesagt eher skeptisch und erinnere an Wirecard. Hier wurden damals die Regeln für eine Aufnahme in den DAX aufgeweicht. Die strikte Trennung zwischen klassischen Branchen und Technologieunternehmen wurde aufgehoben und Wirecard konnte in den DAX aufsteigen. Als Nachfolger von Wirecard ist mit Delivery Hero gar ein Unternehmen in den DAX eingezogen, ohne Gewinne zu erzielen. Nach dem Zusammenbruch des Wirecard-Systems wurden die Regeln schnell wieder verschärft. Aus dieser Erfahrung heraus sehe ich Schnellaufnahmeregeln eher skeptisch und halte es aus der Sicht eines ETF-Anlegers eher für eine schlechte Neuerung.
Dyballa: Durch die Kapitalmarktgewichtung können Unwuchten entstehen. Also wenn etwa im MSCI World der US-Markt mehr als Zweidrittel ausmacht[1] oder Technologiewerte die Wertenwicklung von Emerging Market Indices maßgeblich bestimmen, sollte das in der Gesamtstruktur berücksichtigt werden. Das spricht nicht gegen ein Investment, Anleger sollten nur wissen, dass sie bei einem Produkt mit weltweit im Namen hauptsächlich in US-Aktien oder bei Schwellenländer-ETFs aktuell stark in global vernetzte Chip- und Elektronikwerte investieren, um Klumpenrisiken zu vermeiden.
[1] MSCI World Index, 29.05.2026
Dyballa: Einerseits gibt es ETFs, die andere Gewichtungen vornehmen und regelmäßig die Zusammensetzung anpassen. Die können eine gute Ergänzung sein. Auch wenn es zu Recht Kritik an den bekannten Indices gibt, finden sich eben doch im MSCI World und Co. letztlich die erfolgreichsten Unternehmen. Auf lange Sicht schneiden diese Standardprodukte nach meiner Berufserfahrung immer oft noch besser ab als die meisten Fonds, die auf handverlesene Einzelwerte setzen. Generell kann es die Wertentwicklung zudem stabilisieren, wenn eine Portfoliostruktur nicht nur auf Aktienwerte setzt, sondern Alternativen wie festverzinsliche Wertpapiere oder Gold nutzt. Insbesondere bei der Altersvorsorge macht es Sinn, das Schwankungsrisiko durch so etwas zu reduzieren, wenn das angelegte Kapital in absehbarer Zeit für einen angenehmen Ruhestand zur Verfügung stehen soll.
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Wie eine Rakete in die höchste Liga
Schon zum Börsengang katapultiert eine Bewertung von 1,77 Billionen US-Dollar SpaceX auf die vorderen Plätze der Rangliste der wertvollsten Unternehmen weltweit. Wohlgemerkt obwohl SpaceX im letzten Jahr Verluste von knapp 5 Milliarden Dollar schrieb bei einem Umsatzvolumen von fast 19 Milliarden. Die Investoren bewerten hier wohl den Optimismus von Unternehmenschef Elon Musk. Der hält bis 2030 einem Umsatz von einer Billion für möglich.

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Quelle: Portfolio Consulting
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