Ein Stück Weltraum fürs Depot: Der SpaceX-Börsengang im Faktencheck
Unter dem Tickersymbol „SPCX“ plant das Unternehmen ein Emissionsvolumen von rund 75 Milliarden US-Dollar bei einem anvisierten Ausgabepreis von 135 US-Dollar je Aktie. Nach übereinstimmenden Medienberichten im Vorfeld des Börsengangs basiert diese Planung auf den bislang bekannten Emissionsunterlagen.
Die angestrebte Marktkapitalisierung von bis zu 1,77 Billionen US-Dollar macht dieses IPO zum potenziell größten Börsengang aller Zeiten. Diese Bewertung ergibt sich aus den veröffentlichten Börsenunterlagen und den daraus abgeleiteten Marktprognosen.
Wer als Anleger hier einsteigt, kauft jedoch nicht nur das populäre Satelliten-Internet Starlink, sondern die gesamte Muttergesellschaft, die sich in die eng verzahnten Bereiche „Space“ für Raketenstarts, „Connectivity“ für das Starlink-Geschäft und „AI“ für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz unterteilt.
Die astronomischen Treiber hinter dem aktuellen Hype
Um das enorme Interesse der Investoren greifbar zu machen, lohnt ein genauer Blick unter die Oberfläche. SpaceX hat die Kosten für den Zugang zum Weltall in den letzten Jahrzehnten um mehr als 95 Prozent gesenkt und dominiert heute den kommerziellen Startmarkt nahezu konkurrenzlos (Quelle: McKinsey & Company, 2023 / SpaceX S-1, SEC EDGAR, Mai 2026). Branchenanalysen zur Entwicklung der Startkosten kommen seit Jahren zu ähnlichen Ergebnissen.
Der eigentliche finanzielle Wachstumstreiber ist jedoch das Konnektivitätsgeschäft. Konnektivität bezeichnet hier die Bereitstellung von Internetzugängen über Satelliten. Laut dem bei der SEC eingereichten Börsenprospekt vom 20. Mai 2026 verzeichnet Starlink mittlerweile 10,3 Millionen Abonnenten, erzielte 2025 einen Umsatz von 11,4 Milliarden US-Dollar und einen operativen Gewinn von 4,4 Milliarden US-Dollar.
Flankiert wird dieses fundamentale Wachstum von einem immensen strukturellen Kaufdruck. Dank der neuen „Fast Entry“-Regeln der Nasdaq könnte SpaceX bereits nach nur 15 Handelstagen in den renommierten Nasdaq-100-Index aufgenommen werden. Der Nasdaq-100 umfasst die größten nichtfinanziellen Unternehmen der Technologiebörse Nasdaq. Grundlage dieser Einschätzung sind die aktuell gültigen Nasdaq-Regeln für besonders große Neuemissionen.
Dieser Schritt würde passive Indexfonds zwingen, die Aktie praktisch preisunempfindlich zu kaufen, was den Kurs kurzfristig unterstützen könnte. Ob und in welchem Umfang dieser Effekt tatsächlich eintritt, ist jedoch offen.
Die wichtigsten Kennzahlen auf einen Blick
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Geplante Bewertung | 1,77 Billionen US-Dollar |
| Geplantes Emissionsvolumen | 75 Milliarden US-Dollar |
| Starlink-Abonnenten | 10,3 Millionen |
| Umsatz 2025 | 11,4 Milliarden US-Dollar |
| Operativer Gewinn Starlink | 4,4 Milliarden US-Dollar |
| Nettoverlust Konzern 2025 | 4,9 Milliarden US-Dollar |
Quelle: Space Exploration Technologies Corp., Form S-1, eingereicht bei der SEC am 20. Mai 2026 (SEC EDGAR, CIK 0001181412) https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/0001181412/000162828026036936/spaceexplorationtechnologi.htm
Die Vor- und Nachteile im Realitätscheck
Doch wie bei jedem Anlageinstrument gibt es auch hier Licht und Schatten. Trotz der unbestreitbaren Erfolge im Weltraum ist die Bewertung auf der Erde äußerst umstritten. Ein Unternehmenswert von 1,77 Billionen US-Dollar entspricht mehr als dem 90-Fachen des aktuellen Jahresumsatzes. Das Analysehaus Morningstar bewertet SpaceX in seiner IPO-Analyse mit rund 780 Milliarden US-Dollar – knapp eine Billion US-Dollar unter dem anvisierten Ausgabepreis (Morningstar, „SpaceX: What Investors Need to Know About Its Enormous Upcoming IPO”, Juni 2026).
Die wirtschaftlichen und strukturellen Risiken im Detail
Erschwerend kommt hinzu, dass der Gesamtkonzern abseits der Weltraum-Erfolge noch tiefe rote Zahlen schreibt. Im Jahr 2025 verbuchte SpaceX einen Nettoverlust von rund 4,9 Milliarden US-Dollar. Die Zahl basiert auf den veröffentlichten Finanzdaten des Unternehmens.
Der immense Kapitalbedarf zeigt sich besonders in den neuen Geschäftsbereichen. Die KI-Sparte verursachte im ersten Quartal 2026 operative Verluste von knapp 2,5 Milliarden US-Dollar (Quelle: SpaceX S-1, SEC EDGAR, 20. Mai 2026) – zusätzlich zum Raketenprogramm Starship, das fortlaufend weitere Milliarden an Forschungsgeldern verschlingt.
Kurz vor dem Börsengang hat SpaceX jedoch zwei bedeutende Verträge abgeschlossen: Anthropic zahlt monatlich 1,25 Milliarden US-Dollar für Rechenkapazitäten bis Mai 2029 (Quelle: SpaceX Form FWP, SEC EDGAR, Mai 2026); Google zahlt 920 Millionen US-Dollar monatlich für rund 110.000 NVIDIA-GPUs – ebenfalls bis 2029 (Quelle: SpaceX Form FWP, SEC EDGAR, 5. Juni 2026). Ob diese Einnahmen die laufenden Verluste mittelfristig ausgleichen, bleibt offen.
Diese anhaltende Kapitalverbrennung bedeutet für Investoren, dass eine nachhaltige Profitabilität des Gesamtkonzerns auf absehbare Zeit keineswegs gesichert ist. Anleger benötigen daher einen langen Anlagehorizont und eine hohe Risikotoleranz. Zu dieser finanziellen Unsicherheit kommt ein ausgeprägtes Risiko bei der Unternehmensführung hinzu. Elon Musk hält durch spezielle B-Aktien auch nach dem Börsengang rund 85 Prozent der Stimmrechte und kontrolliert das Unternehmen damit weitgehend allein. Die Stimmrechtsstruktur geht aus den veröffentlichten Angaben zur Aktiengattung hervor.
Für Minderheitsaktionäre existiert auf dieser Ebene praktisch kein wirksames Mitspracherecht. Strategische Richtungswechsel oder unvorhersehbare Entscheidungen des Großaktionärs können sich deshalb unmittelbar auf das Unternehmen und den Aktienkurs auswirken.
Der rationale Kurs in stürmischen Marktphasen
Eine Besonderheit dieses Börsengangs ist die geplante Öffnung für Privatanleger. Bis zu 30 Prozent der angebotenen Aktien sollen für Retail-Investoren reserviert sein. Mehrere Medienberichte über die Emissionsstruktur nennen diesen ungewöhnlich hohen Anteil für Privatanleger. Retail-Investoren sind private Anleger, die ihr eigenes Geld investieren. Dieser Schritt dient dem Aufbau einer breiten Aktionärsbasis.
Ein Beispiel: Ein Anleger möchte Aktien im Wert von 10.000 Euro zeichnen. Kommt es zu einer starken Überzeichnung, kann es passieren, dass er nur einen Teil der gewünschten Aktien tatsächlich zugeteilt bekommt.
Auch im deutschsprachigen Raum soll eine Zeichnung über verschiedene Broker möglich sein. Hierbei ist jedoch Vorsicht geboten. Bei dem erwarteten Hype und einem geschätzten Streubesitz von 4,3 bis 5 Prozent ist eine starke Überzeichnung wahrscheinlich. Die Schätzung basiert auf den bislang bekannten Eckdaten des Börsengangs. Der Streubesitz beschreibt den Anteil der Aktien, die sich frei im Handel befinden.
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Spekulation trifft auf strategische Vernunft
Ein Einstieg zum IPO-Preis ist eine hochspekulative Wette auf die Zukunftsvisionen des Unternehmens. In Anbetracht der ambitionierten Bewertung und der zu erwartenden Kursschwankungen in den ersten Handelstagen sollten Anleger nur Kapital investieren, dessen zeitweiligen Verlust sie verkraften können. Eine mögliche Vorgehensweise besteht darin, zunächst die Kursentwicklung nach dem Börsengang zu beobachten, bis sich der Preis am Sekundärmarkt stabilisiert hat. Der Sekundärmarkt ist der reguläre Börsenhandel nach dem eigentlichen Börsengang.
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