Income-ETFs: Wenn Cashflow wichtiger wird als Kursgewinne
Hinweis: Dieser Text wurde durch den freien Journalisten Alexander Heintze mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt.
Die Finanzbranche hat eine neue Zielgruppe entdeckt: Die Babyboomer gehen in Rente und mit ihnen verschiebt sich der Fokus vieler Depots. Statt Vermögen aufzubauen, suchen immer mehr Anleger nach Wertpapieren, die regelmäßig Geld auf das Konto überweisen. Fonds und ETFs mit monatlichen Ausschüttungen versprechen planbare Einnahmen und erfreuen sich wachsender Beliebtheit. „Monatliche Ausschütter sind der klassische Gehaltsersatz für Ruheständler“, sagt Mirko Hajek, geschäftsführender Gesellschafter der RP Rheinische Portfolio Management GmbH in Köln. Besonders Produkte mit sogenannten Covered-Call-Strategien (siehe Infokasten) drängen auf den Markt. Ihr Versprechen: laufende Erträge statt reiner Kursgewinne. Für viele Anleger klingt das verlockend. Experten mahnen jedoch zur Vorsicht. Denn hohe Ausschüttungen und hohe Renditen sind nicht dasselbe.
Für wen lohnen sich monatlich ausschüttende ETFs?
Für Anleger mit langem Anlagehorizont sind regelmäßige Auszahlungen dagegen oft ein Nachteil, weil Kapital aus dem Depot abfließt. Damit verzichten Anleger häufig auf einen Teil der langfristigen Renditechancen. „Monatliche Ausschüttungen sind die Ernte des Depots, nicht der Dünger für das Wachstum“, ergänzt Roland Schmack, Geschäftsführer der Meine Werte GmbH in Münster. Wer noch viele Jahre bis zum Ruhestand habe, sei mit thesaurierenden Fonds meist besser bedient, die Erträge automatisch wieder anlegen, statt sie auszuschütten. Somit bleibt der Zinseszinseffekt erhalten. Hinzu kommen steuerliche Nachteile. Ausgeschüttete Erträge müssen häufig sofort versteuert werden. Dadurch sinkt das Kapital, das langfristig Rendite erwirtschaften kann.
Hohe Ausschüttung bedeutet nicht automatisch hohe Rendite
Der häufigste Fehler besteht nach Einschätzung vieler Experten darin, die Höhe der Ausschüttung mit der tatsächlichen Rendite gleichzusetzen. Gerade Produkte mit besonders hohen Auszahlungen wirkten auf den ersten Blick attraktiv. Tatsächlich stammen diese Zahlungen jedoch nicht immer aus Dividenden oder Zinsen, sondern teilweise aus dem eigenen Vermögen. „Man kann sich sein eigenes Kapital in Monatsraten zurücküberweisen lassen und sich dabei ausgesprochen wohlhabend fühlen“, so Ortay Gelen von der Axia Asset Management GmbH aus Dortmund. Wenn aber die Ausschüttungen mit einem stagnierenden oder sogar fallenden Fondskurs einhergehen, kann die Auszahlung den Verlust an Vermögenssubstanz nicht ausgleichen. „Ausschüttung ist nicht gleich Rendite“, warnt Mirko Hajek, geschäftsführender Gesellschafter der RP Rheinische Portfolio Management GmbH in Köln.
V-CHECK Videos: ETF ab 50: Ausschüttend oder thesaurierend? & Vorsicht bei ETF-Entnahme im Ruhestand
Daniel Kanzler, Head of Investment bei der Gerd Kommer Invest GmbH, spricht über die besonderen Herausforderungen der Entnahmephase. Er erklärt, welche Rolle Flexibilität und steuerliche Überlegungen bei der Gestaltung von Entnahmen spielen und warum es nicht nur auf die langfristige Rendite ankommt. Außerdem geht er auf das Rendite-Reihenfolge-Risiko ein und zeigt, weshalb die Reihenfolge guter und schlechter Börsenjahre gerade während der Entnahmephase einen großen Unterschied machen kann.
Wie Covered-Call-Strategien die Erträge erzeugen
Wie diese hohen Ausschüttungen überhaupt entstehen, zeigt der Blick auf Covered-Call-Strategien. Sie bilden das Fundament vieler neuer Income-ETFs. Dabei hält ein Fonds Aktien, ETFs oder Gold und verkauft anderen das Recht, diese später zu einem festen Preis zu kaufen. Für diese Rechte erhält der Fonds Optionsprämien, die anschließend an die Anleger ausgeschüttet werden.
Damit erkaufen sich Anleger die Ausschüttungen häufig mit geringeren Gewinnchancen. Der Vorteil: In ruhigen oder seitwärts laufenden Märkten entstehen zusätzliche Einnahmen. Der Nachteil: Steigen die Kurse kräftig, fällt ein Teil der Gewinne weg. „Der Gewinn nach oben wird gedeckelt, das Verlustrisiko nach unten bleibt fast voll bestehen“, sagt Hagen Stanigel von der isFINANCE AG in Potsdam.
Welche Risiken hinter hohen ETF-Ausschüttungen stecken
Die regelmäßigen Ausschüttungen gibt es nicht zum Nulltarif. Viele dieser Strategien kosten ein Mehrfaches dessen, was Anleger für einen klassischen Welt-ETF bezahlen. Laut Schmack liegen die laufenden jährlichen Gesamtkosten solcher Spezialprodukte häufig zwischen 0,35 und 0,7 Prozent und damit deutlich über denen breit gestreuter ETFs.
Zudem sind die Ausschüttungen keineswegs garantiert. „Die Ausschüttung ist nicht planbar. Die Optionsprämie hängt an der Volatilität. Fällt die Volatilität, fällt die Zahlung“, sagt Gelen. Einige Produkte sind zudem nicht als Fonds, sondern als Schuldverschreibungen konstruiert. Gerät der Emittent in Schwierigkeiten, trägt der Anleger ein zusätzliches Risiko, das bei klassischem Sondervermögen nicht besteht.
Anleger sollten sich daher nicht von hohen Ausschüttungsrenditen blenden lassen. Entscheidend bleibt die Gesamtrendite aus Kursentwicklung und Ausschüttungen. Erst sie zeigt, ob ein Investment tatsächlich Vermögen schafft oder lediglich regelmäßige Auszahlungen produziert.
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Exchange Traded Funds (ETFs) haben in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte an den Kapitalmärkten geschrieben. In Deutschland investierten 2024 nach Angabe des Deutschen Aktieninstituts über 3,5 Millionen Menschen in ETFs, Tendenz steigend. Experten sagen: ETFs sind kostengünstig, transparent und ermöglichen bereits mit kleinen Beträgen eine breite Streuung über viele Märkte und Anlageklassen hinweg. Doch bei mehr als 2.600 ETFs allein in Deutschland stehen Einsteiger oft vor der Frage: Wo anfangen, worauf achten und wie eine passende Strategie entwickeln?
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Glossar
- Income-ETF: Income-ETFs sind Fonds, die vor allem regelmäßige Erträge und Ausschüttungen erzeugen sollen.
- Ausschüttungsrendite: Die Ausschüttungsrendite zeigt, wie viel Geld ein Fonds auszahlt. Kursgewinne oder Kursverluste bleiben dabei unberücksichtigt.
- Sondervermögen: Sondervermögen ist rechtlich vom Vermögen der Fondsgesellschaft getrennt und bleibt bei einer Insolvenz grundsätzlich geschützt.
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