Schritt für Schritt zum richtigen Investieren mit ETFs
Finanzielle Basis prüfen
Am Anfang steht nicht der ETF, sondern die eigene Finanzsituation. Bevor Geld investiert wird, sollten drei Punkte geklärt sein:
Notgroschen: Sind ausreichend Rücklagen für unvorhergesehene Ausgaben vorhanden? Mögliche Faustformel: Mindestens 3 Nettogehälter
Schulden: Hoch verzinste Konsumkredite oder Dispokredite zu tilgen, sollte Vorrang vor Geldanlage haben.
Freies Kapital: Nur Geld, das langfristig nicht benötigt wird, eignet sich für eine Anlage in ETFs.
Erst wenn diese Grundlagen passen, ist der Einstieg in ETFs sinnvoll.
Anlageziel und Zeithorizont festlegen
ETFs können sehr unterschiedlich genutzt werden – für den langfristigen Vermögensaufbau ebenso wie für mittelfristige Sparziele. Entscheidend ist, wofür investiert wird und wie lange das Geld angelegt bleiben kann. Für den langfristigen Vermögensaufbau, etwa zur Altersvorsorge, können stärkere Kursschwankungen eher akzeptiert werden als bei mittelfristigen Sparzielen. Der Zeithorizont bestimmt maßgeblich das Risiko, das Anleger eingehen können, und damit, welche ETFs für die eigene Geldanlage in Frage kommen.
Depot eröffnen
Für den Kauf von ETFs ist ein Wertpapierdepot notwendig. Die Anbieter unterscheiden sich vor allem bei den Depotgebühren, den Kosten für Käufe und Verkäufe sowie bei Sparplankonditionen. Günstige Konditionen sind nicht alles. Stabilität, Bedienbarkeit und Service spielen ebenfalls eine Rolle.
Den richtigen ETF auswählen
Für Einsteiger können globale Aktien-ETFs eine sinnvolle Basis bilden. Sie investieren in tausende Unternehmen weltweit und streuen so das Risiko über viele Länder, Branchen und Unternehmen. Das reduziert das Risiko einzelner Fehlentwicklungen.
Wichtige Auswahlkriterien sind:
Fondsvolumen: Größere ETFs gelten als wirtschaftlich stabiler. Das Fondsvolumen sollte mindestens 100 Millionen Euro betragen.
Kosten (TER): Die Gesamtkostenquote (TER) gibt Aufschluss über die jährlichen Gebühren. Günstige Standard‑ETFs liegen meist im Bereich von etwa 0,05 bis 0,30 Prozent jährlich (abhängig von Anbieter und Index).
Replikationsmethode: Sogenannte physisch replizierende ETFs kaufen die Aktien tatsächlich, während synthetische ETFs Tauschgeschäfte, sogenannte Swaps, nutzen. Für Privatanleger sind beide Varianten grundsätzlich geeignet, die physische Replikation ist jedoch häufig transparenter.
Ertragsverwendung: Thesaurierende ETFs legen die Dividenden automatisch wieder an, während ausschüttende ETFs diese an die Anleger auszahlen. Wer keine laufenden Einnahmen braucht, kann durch das Reinvestieren der Erträge den Zinseszins langfristig nutzen. Daher sind thesaurierende ETFs für den langfristigen Vermögensaufbau zu empfehlen.
Wichtig: Kurzfristige Performancevergleiche sind kein geeignetes Auswahlkriterium.
V-CHECK Video: Die ETF-Strategie fürs Leben: Vom Sparplan zum Ruhestandsdepot | Webinar
ETFs haben die Geldanlage revolutioniert – einfach, transparent und effizient. Doch wie nutzt man sie optimal für den eigenen Vermögensaufbau? Vom ersten Sparplan über die gezielte Vermögensstruktur bis hin zum Ruhestandsdepot: ETFs können in jeder Lebensphase ein wertvoller Baustein sein. Entscheidend ist, die passende Strategie zu kennen – und sie konsequent umzusetzen.
Der Referent Markus Richert ist Dipl.-Kfm. und Certified Financial Planner (CFP®) sowie Vermögensverwalter bei Portfolio Concept Vermögensmanagement GmbH .
Aktive oder passive ETFs
Passive ETFs bilden einen Marktindex wie den MSCI World oder DAX kostengünstig und exakt nach. Sie verzichten auf ein aktives Management und bilden die Wertentwicklung exakt ab. Aktive ETFs verbinden klassische ETF‑Strukturen mit aktivem Management. Dadurch können sie eine bessere Rendite als der Index erzielen (allerdings auch eine schlechtere). Sie sind dadurch in der Regel teurer als passive ETFs und bieten keine Garantie für bessere Ergebnisse. Für viele Anleger bleiben klassische Index‑ETFs die solidere Basis der Geldanlage.
Portfolio einfach halten
Ein ETF‑Portfolio lässt sich bereits mit wenigen Produkten umsetzen. Häufig genügt ein globaler Aktien-ETF, optional ergänzt durch einen Anleihen-ETF zur Stabilisierung. Wichtig ist die Gewichtung zwischen Aktien und Anleihen, die sich nach Alter, Risikobereitschaft und Anlagehorizont richten sollte.
Fortgeschrittene Anleger könnte sich aus Welt-Aktien (Industrieländer), Schwellenländer-Aktien, Investmentgrade-Anleihen (Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen) und Rohstoffen wie Gold ein Portfolio zusammensetzen. Solche Portfolios sollten allerdings jährlich überprüft werden, um die ursprünglichen Gewichtungen wiederherzustellen (Rebalancing).
Sparplan nutzen
ETF‑Sparpläne ermöglichen regelmäßige Investitionen mit festen Beträgen – oft schon ab 25 Euro. Sie können das Risiko reduzieren, zu ungünstigen Zeitpunkten einzusteigen, und fördern langfristige Disziplin. Marktschwankungen können über die Zeit ausgeglichen werden. Die Erfahrung zeigt: Wer regelmäßig investiert und wenig verändert, kann langfristig oft erfolgreicher sein als Anleger, die ständig reagieren.
ETF‑Strategien je nach Lebensphase
Jüngere Anleger mit einem Anlagehorizont von 20 bis 40 Jahren können auf ein aktienorientiertes Portfolio setzen. Eine mögliche Struktur könnte sein: 70 Prozent Aktien-ETFs (Welt-Aktien/Industrieländer), 20 Prozent Emerging-Markets-ETF und 10 Prozent Anleihen-ETF. Die hohe Aktienquote nutzt das langfristige Wachstumspotenzial und kurzfristige Schwankungen spielen durch den langen Anlagehorizont eine untergeordnete Rolle.
Anleger ab etwa 50 Jahren sollten den Aktienanteil schrittweise reduzieren. Ein Musterportfolio könnte so aussehen: 60 Prozent Aktien-ETFs (global diversifiziert) und 40 Prozent Anleihen-ETFs. Die höhere Anleihen-Komponente dämpft Schwankungen und sichert bereits aufgebautes Vermögen.
Ruheständler, die auf ihr Vermögen angewiesen sind, sollten konservativer agieren. Eine mögliche Allokation: 40 Prozent Aktien-ETFs (mit einem Dividendenschwerpunkt), 50 Prozent Anleihen-ETFs und 10 Prozent Liquidität oder Tagesgeld. Ausschüttende ETFs können hier interessant sein, da sie regelmäßige Erträge liefern. Der Umbau sollte fünf bis zehn Jahre vor dem Renteneintritt geplant werden, um das Portfolio ohne große Verluste umschichten zu können.
Wichtig in allen Lebensphasen ist, dass die Depotmischung auf die individuelle Lebenssituation abgestimmt ist. Im Zweifel kann eine gute Beratung helfen, die richtige individuelle Mischung zu finden. Wer mit einem unabhängigen Vermögensverwalter darüber sprechen will, kann sich auf unserer Finanzwissensplattform auch zum kostenlosen Vermögens-Check anmelden.
Selbst investieren oder verwalten lassen?
ETFs lassen sich über viele Quellen beziehen.
Neobroker bieten häufig sehr günstigste Konditionen für ETF-Sparpläne und -Käufe. Der Nachteil ist eine manchmal eingeschränkte Produktpalette, mögliche technische Ausfälle und der oft fehlenden persönlichen Service. Wer ausschließlich in Standard-ETFs investiert und keine Beratung benötigt, findet hier ein solides Preis-Leistungs-Verhältnis.
Direktbanken bieten breitere Produktpaletten, besseren Service und etablierte Online-Banking-Umgebungen. Für Anleger, die Wert auf einen Mix aus Kosteneffizienz und Service legen, sind sie eine gute Wahl.
Klassische Hausbanken mit Filialnetz sind häufig die teuerste Option. Der Vorteil liegt in der persönlichen Beratung vor Ort, allerdings werden oft hauseigene, teurere Produkte empfohlen.
Vermögensverwalter eignen sich für Anleger, die die Verantwortung für ihre Geldanlage in externe Hände geben wollen und sich eine umfassende Finanzplanung sowie Zeit für andere Dinge wünschen. Sie lohnen sich außerdem bei komplexen Vermögenssituationen.
V-CHECK Video: Dividenden ETFs sinnvoll?! Das sagt Gerd Kommer’s Head of Investment
Wer träumt nicht davon: ein regelmäßiges passives Einkommen, das ganz automatisch aufs Konto fließt – Monat für Monat, ohne großen Aufwand. Regelmäßige Ausschüttungen, breite Diversifikation und klare Regeln der Titelauswahl machen Dividenden-ETFs für viele Anleger attraktiv. Hinter den Renditen stehen jedoch komplexe Mechanismen, bei denen Struktur, Steuerdetails und Auswahlkriterien entscheidende Unterschiede ausmachen.
Die Antworten gibt Daniel Kanzler, Head of Investment bei der Gerd Kommer Invest GmbH, im Gespräch mit Börsenmoderator Andreas Franik – aufgezeichnet auf dem Vermögenstag der V-Bank.
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Kostengünstige börsengehandelte Fonds (ETFs) machen das diversifizierte Investieren einfacher. Bei weltweit mehr als 9.500 ETFs stehen Anleger jedoch vor dem Dilemma, diejenigen ETFs auszuwählen, die am besten für ihre Anlageziele geeignet sind. Diese Faktoren helfen bei der Auswahl.
Auch wenn in 2025 einige Exchange Traded Funds (ETFs) auf bestimmte Branchen und Themen besonders gut abschnitten, so waren doch breit gestreute Aktien-ETFs die Absatzrenner. Vermögenverwalter erläutern, wie sich Anleger für 2026 am besten aufstellen.