Börsenausblick 2026: "Bei Tech-Aktien raten wir zur Vorsicht"
Auf einen Blick
- Politischer Rückenwind kann Märkte stützen – ersetzt aber keine Strategie
- Hohe Bewertungen, vor allem im Tech-Bereich, erhöhen das Rückschlagrisiko
- Europa bietet Chancen, erfordert aber selektives Vorgehen
- Anleihen stabilisieren – realer Kapitalerhalt bleibt anspruchsvoll
- Gold bleibt Absicherung, nicht Renditeturbo
Herr Glogger, was können Investoren vom neuen Börsenjahr erwarten?
Andreas Glogger: Das Jahr 2026 wird von politischen und wirtschaftlichen Faktoren geprägt sein. Besonders die Midterm Elections in den USA könnten Einfluss auf die Märkte haben, da Präsident Trump versuchen dürfte, die Wirtschaft zu stützen, um positive Ergebnisse vor den Wahlen zu erzielen.
Könnten die Midterm Elections in den USA ein positiver Fingerzeig für die Börse sein?
Glogger: Ja, das glauben wir. Jeder Präsident versucht vor Wahlen, die Wirtschaft zu stärken, um gute Ergebnisse vorweisen zu können. Wir erwarten, dass Trump möglicherweise neue Deals oder Kurskorrekturen vornimmt, um den Börsen einen Schub zu geben.
Wie sehen wir die Bewertung in der Tech-Branche und deren Einfluss auf das Börsenjahr?
Glogger: Die Bewertungen einzelner Tech-Unternehmen sind sehr hoch. Wir haben bereits im Jahr 2025 Positionen abgebaut, um Risiken zu reduzieren. Anleger sollten vorsichtig sein und nicht auf überbewertete Titel aufspringen. Eine Übergewichtung im Tech-Bereich ist nicht ratsam.
In welcher europäischen Wirtschaft denken wir an eine echte Turnaround-Story ?
Glogger: Europa hat strukturelle Probleme, insbesondere durch zu viel Regulierung und langsame Umsetzung von Investitionen. Rüstung und Infrastruktur sind nur kurzfristige Effekte. Die Politik muss dringend handeln, damit die Börsen langfristig profitieren.
Wo könnte im Anleihenbereich 2026 die Musik spielen?
Glogger: Wir investieren nicht in Staatsanleihen, da die Staaten zu stark verschuldet sind. Emerging Markets und High Yields sind spekulativ und nicht unsere Strategie. Wir setzen auf europäische Unternehmensanleihen mit erwarteten Bruttozinsen von 2–3 %, netto nach Steuern etwa 1,5–2 %. Allerdings bleibt es schwierig, den realen Kapitalerhalt nach Inflation zu sichern.
Wie schätzen Sie den Goldpreis nach der starken Rallye 2025 ein?
Glogger: Gold sollte gehalten werden, aber neue Käufe auf dem aktuellen Niveau sind nicht empfehlenswert. Die Produktionskosten liegen bei 1.500–1.800 USD pro Unze, während der Preis über 4.000 USD liegt. Das ist eine hohe Risikoprämie. Bei globalen Krisen könnte Gold aber weiter steigen, möglicherweise bis 5.000 USD.
V-CHECK Video: Börsenausblick 2026: Aktien, Anleihen, Gold oder Öl – Wer sticht wen?
Der Börsenausblick 2026 steht unter dem Motto neu gemischter Karten: Notenbanken könnten wegen zunehmenden Liquiditätsstresses zum Handeln gezwungen sein, an den Aktienmärkten rückt die Frage nach einem defensiven Ansatz wieder stärker in den Vordergrund ebenso wie die Rolle von Laufzeiten bei Anleihen und mögliche Verschiebungen bei Rohstoffen zwischen Gold und Öl. Aktives Positionieren könnte daher wichtiger sein, kann als perfektes Timing.
Antworten von Börsenmoderator Andreas Franik im Gespräch mit Guido vom Schemm, Geschäftsführer der GVS Financial Solutions. Aufgezeichnet auf dem Parkett der Börse Frankfurt.
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