Silber: Golds kleiner Bruder im Höhenflug?

Silber: Golds kleiner Bruder im Höhenflug?


Silber fristete lange ein Nischendasein im Schatten des großen Bruders Gold. 2025 hat sich das Bild gedreht: Beide Edelmetalle markieren Rekorde, doch Silber legt prozentual noch stärker zu. Gleichzeitig wird der Markt enger, weil die Industrie immer mehr Silber verschlingt. Für Anleger stellt sich die Frage: Ist Silber nur Spekulation oder ein sinnvoller zusätzlicher Baustein neben Gold?

Derzeit dreht sich in der Investmentlandschaft, die von hoher Volatilität aufgrund weltweiter wirtschaftlicher und politischer Krisen geprägt ist, viel um Edelmetalle. Gold wird vor allem als Wertspeicher und Reservewährung gekauft, ob von Privatanlegern, Vermögensverwaltern und Zentralbanken.

Silber dagegen hat eine Doppelrolle: Es ist ebenfalls ein klassisches Edelmetall, wird aber zu mehr als der Hälfte industriell verbraucht. Schätzungen zufolge entfallen inzwischen rund 55 Prozent der globalen Silbernachfrage auf industrielle Anwendungen, angeführt von Photovoltaik, Elektronik, E-Mobilität und Kommunikationstechnik. Dabei kommt ein langfristiger Trend zum Tragen: Laut dem Silver Institute ist die industrielle Silbernachfrage 2024 auf rund 680 Millionen Unzen gestiegen – der vierte Rekord in Folge.

Gleichzeitig ist Silber meist ein Beiprodukt aus Minen für andere Metalle wie Blei, Zink oder Kupfer. Die Förderung lässt sich daher nicht beliebig hochfahren. Das erklärt, warum Analysten seit einigen Jahren von einem strukturellen Angebotsdefizit sprechen, denn der Markt verbraucht dauerhaft mehr Silber, als neu aus dem Boden kommt. Für Anleger ist diese Kombination aus knapper werdendem Angebot und wachsender industrieller Bedeutung der Kern der Silber-Story: Silber ist nicht nur „kleines Gold“, sondern gleichzeitig ein Rohstoff für die Energiewende und die digitale Infrastruktur.

Infografik mit dem Titel „Silber: Golds kleiner Bruder im Höhenflug?“. Zwei Balkendiagramme vergleichen Gold und Silber in Euro pro Unze. Links Gold: Balken für 10-Jahres-Hoch (~3.707 €), 10-Jahres-Tief (~967 €) und aktuellen Preis Ende November 2025 (~3.566 €). Rechts Silber: Balken für 10-Jahres-Hoch (~46,61 €), 10-Jahres-Tief (~11,17 €) und aktuellen Preis Ende November 2025 (~46,61 €). Oben sind Prognosebereiche für 2026 angegeben: Gold 3.410–4.310 EUR/oz, Silber 47,50–56,00 EUR/oz. Quelle: Spiekermann & CO AG, 2025.

Historische Kursentwicklung: Mehr Achterbahn als bei Gold

Langfristig haben sowohl Gold als auch Silber beeindruckende Wertzuwächse erzielt. In Euro gerechnet ist der Goldpreis je Feinunze in den letzten zehn Jahren von Tiefstständen um 1.000 Euro auf aktuell gut 3.500 Euro gestiegen, das entspricht einem Plus von mehr als 250 Prozent. Silber war im gleichen Zeitraum nicht weniger dynamisch: Die Feinunze liegt heute in Euro bei knapp 47 Euro, nachdem sie zwischenzeitlich bei etwa elf Euro notierte – ebenfalls ein Zuwachs von grob 240 bis 250 Prozent über zehn Jahre. In US-Dollar betrachtet zeigen die Daten für die vergangenen Jahrzehnte, dass Gold in rund 60 Prozent der Jahre positiv rentiert hat, Silber aber nur in gut 45 Prozent, dafür mit deutlich stärkeren Ausschlägen nach oben und unten.

Die jüngste Bewegung unterstreicht dieses Muster: Seit Herbst 2023 ist der Silberpreis von etwa 20,70 Dollar je Unze auf Höchststände über 54 Dollar gestiegen, ein Plus von rund 160 Prozent. Gold legte im gleichen Zeitraum um etwa 140 Prozent zu und markierte Rekorde über 4.300 US-Dollar. Silber hat Gold also überholt, allerdings eben mit stärkerer Volatilität. Analysten sprechen deshalb gerne von Silber als „turbogeladener“ Version von Gold: höhere Chancen, aber auch härtere Rückschläge.

Was sagen Prognosen für Gold und Silber?

Prognosen sind keine Garantien, aber sie zeigen, wie professionelle Beobachter die Kräfteverhältnisse einschätzen. Die Weltbank rechnet nach ihren aktuellen Rohstoff­markt­berichten damit, dass Gold nach dem starken Anstieg 2025 im Jahr 2026 nur noch moderat weiter steigt und dann auf einem deutlich höheren Niveau als im Jahrzehnt vor der Pandemie verharrt. Für Silber erwartet sie einen neuen Rekord beim jährlichen Durchschnittspreis 2025 sowie ein weiteres, wenn auch abgeschwächtes Plus 2026.

V-CHECK Video:
Robert Halver: Gold und Silber gehören ins Depot – auch wenn es mal abwärts geht!

Gold-Rally außer Kontrolle, Silber mit neuen Allzeithochs – die Edelmetall Märkte stehen im Fokus. Während die Notenbanken massiv Gold kaufen, verliert der US-Dollar weiter an Vertrauen. Steigende Schulden, geopolitische Spannungen und Zweifel an der Stabilität der Weltwirtschaft treiben Anleger in den sicheren Hafen.

Einschätzungen dazu von Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank im Gespräch mit Börsenmoderator Andreas Franik.

Investmentbanken zeichnen teils deutlich bullischere Szenarien: Deutsche Bank sieht Gold für 2026 im Durchschnitt bei etwa 4.450 Dollar und hält einen Korridor bis knapp 5.000 Dollar je Unze für möglich – getrieben vor allem durch anhaltende Zentralbankkäufe und Inflationssorgen. Für Silber erwarten einige Häuser ebenfalls kräftige Aufschläge: Bank of America nennt ein Kursziel von 65 Dollar je Unze bis 2026 (Durchschnitt um 56 Dollar), während andere Analysten eher in einer Spannbreite von 40 bis 50 Dollar auf Sicht von einigen Jahren denken. Die Deutsche Bank beispielsweise kalkuliert für 2027 mit einem durchschnittlichen Silberpreis um 60 Dollar.
Wichtig ist: Die Bandbreite der Schätzungen ist groß, und nicht alle Institute sind gleich optimistisch. Die Weltbank etwa weist etwa darauf hin, dass ein schwächeres Weltwirtschafts­wachstum auch auf Silber drücken kann, weil der industrielle Verbrauch sensibel auf Konjunktur­schwankungen reagiert.

Warum Silber Gold im Depot sinnvoll ergänzen kann

Aus Sicht eines Privatanlegers erfüllt Gold vor allem eine Funktion: Es soll Kaufkraft über lange Zeiträume sichern und in Stressphasen der Finanzmärkte als „Versicherung“ dienen. Dass Zentralbanken ihre Goldbestände in den letzten Jahren massiv ausgebaut haben, ist ein wichtiger Stabilitätsanker für diesen Investmentcase. Silber hat diesen institutionellen Rückhalt nicht, Zentralbanken halten kaum nennenswerte Silberreserven.

Dafür kommt der industrielle Rückenwind hinzu. Die Nachfrage aus Solaranlagen, Elektroautos, Batteriesystemen, Halbleitern und Kommunikationstechnik wächst strukturell. Eine Analyse der Internationalen Energieagentur und Daten des Silver Institute deuten beispielsweise darauf hin, dass allein der Solarbereich den Silberbedarf bis 2030 um weitere deutlich über 100 Millionen Unzen pro Jahr erhöhen könnte. Auf der Angebotsseite bleibt der Markt angespannt. Weil Silber meist als Nebenprodukt gewonnen wird, lohnt sich eine reine „Silbermine“ oft nur bei sehr hohen Preisen. Das erklärt, warum der Markt laut Silver Institute bereits seit mehreren Jahren in einem strukturellen Defizit ist: Die jährliche Nachfrage übersteigt das Neumetallangebot, der Rest kommt aus Lagerbeständen und Recycling.

Chancen und Risiken für Privatanleger

Wer Silber beimischt, sollte die stärkeren Schwankungen einkalkulieren. Das Marktvolumen ist kleiner als bei Gold, es gibt keine stützende Zentralbanknachfrage, und die Notierung reagiert sensibel auf Konjunktur, Zinsen und Liquidität. Genau das macht Silber aber interessant, wenn Gold im Depot bereits als „Basisanker“ gesetzt ist und gezielt ein zusätzlicher Renditehebel auf Edelmetalle und die grüne Industrie gesucht wird. In der Praxis wird daher meist kombiniert: Gold als langfristige Wertreserve, Silber als kleinere Beimischung mit Wachstumsfantasie. Wie hoch der Anteil sein kann, hängt von Risikoprofil, Anlagehorizont und der übrigen Vermögensstruktur ab – typischerweise liegen Edelmetalle insgesamt eher im einstelligen Prozentbereich des Vermögens, Silber wiederum nur als Teil dieses Bausteins und idealerweise auf Basis individueller Beratung. Auch die Produktauswahl sollte bewusst erfolgen: Physisches Silber folgt zwar unmittelbar dem Spotpreis, unterliegt in Deutschland aber anders als Anlagegold in der Regel der Mehrwertsteuer. Silber-ETFs oder –ETCs bilden den Preis ohne Lageraufwand ab, schwanken dafür börsentäglich und sind steuerlich gesondert zu betrachten. Silberminen-Aktien reagieren meist noch volatiler als der Silberpreis selbst, weil zusätzlich Unternehmensrisiken und Managemententscheidungen einwirken.

In der Summe bleibt Gold der robuste Wertspeicher und Stabilitätsanker, Silber ist der dynamische Satellit: Es profitiert von ähnlichen makroökonomischen Treibern wie Gold, zusätzlich aber von der industriellen Nachfrage aus Energiewende und Digitalisierung – bei deutlich höherer Volatilität. Für Privatanleger kann Silber deshalb eine sinnvolle Ergänzung zu einer bestehenden Goldposition sein, wenn der höhere Risikoappetit bewusst gewählt und die Gewichtung im Gesamtvermögen maßvoll bleibt.

Die Anlage in Wertpapieren ist auch immer mit Risiken verbunden. Anleger sollten sich vor Abschluss einer Investition über die einschlägigen Risiken informieren. Nähere Informationen zu möglichen Risiken finden Sie unter: https://www.v-check.de/risikohinweise

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