Gold auf hohem Niveau: Sollten Anleger jetzt noch einsteigen?

Gold auf hohem Niveau: Sollten Anleger jetzt noch einsteigen?


Der Goldpreis bewegt sich weiterhin auf einem historisch hohen Niveau. Viele Anleger fragen sich deshalb, ob ein Einstieg noch sinnvoll ist oder ob sie besser auf einen Rücksetzer warten sollten. Vermögensverwalter raten jedoch überwiegend dazu, die Frage nicht allein vom aktuellen Preis abhängig zu machen.

Hinweis: Dieser Text wurde durch den freien Journalisten Alexander Heintze mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt.

Gold glänzt wie selten zuvor. Die Feinunze kostete Ende August rund 4.500 US-Dollar und notierte damit auf einem Niveau, das vor wenigen Jahren noch kaum jemand für möglich gehalten hätte. Viele Anleger, die den Einstieg bei günstigeren Preisen verpasst haben, hoffen jetzt auf den idealen Moment für den Kauf.

Wer auf den idealen Kaufkurs warte, laufe Gefahr, eine langfristige Entwicklung zu verpassen, mahnt Michael Wittek von der Albrecht, Kitta & Co. Vermögensverwaltung in Hamburg. Die Suche nach dem optimalen Kaufkurs hält er für wenig sinnvoll. „Der beste Einstiegszeitpunkt war immer gestern und der zweitbeste ist heute“, so Wittek. Statt vermeintlich attraktiven Einstiegskursen hinterherzulaufen, sollten Anleger zunächst klären, welche Rolle Gold im Portfolio spielen soll. Gold zahle weder Zinsen noch Dividenden und eigne sich daher vor allem als langfristiger Stabilitätsbaustein neben Aktien und Anleihen.

Nicht auf den perfekten Moment warten

Ähnlich sieht das Jan-Patrick Weuthen von der B&K Vermögen aus Köln. Zwar würde sich aus seiner Sicht das Chance-Risiko-Verhältnis für Anleger bei Kursen unterhalb von 4.000 US-Dollar je Feinunze nochmals verbessern, doch langfristig orientierte Anleger sollten nicht auf den einen perfekten Moment setzen. Er sieht Gold vor allem als strategische Beimischung zur Diversifikation und zum Krisenschutz.

Roland Schmack, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Meine Werte aus Münster plädiert für einen gestaffelten Einstieg: „Wer auf den perfekten Einstiegskurs wartet, wartet meistens zu lange.“ Anleger sollten ihre Käufe über mehrere Monate und mehrere Tranchen verteilen. Dadurch sinke das Risiko, unmittelbar vor einer größeren Korrektur einzusteigen. Zudem profitieren Anleger von möglichen Rücksetzern automatisch durch günstigere Nachkäufe.

Entscheidende Treiber für Gold

Denn die Wahrscheinlichkeit auf weiter steigende Goldpreise sei hoch, darin sind sich die Vermögensverwalter einig. Treiber seien die hohe Nachfrage der Zentralbanken, die geopolitischen Unsicherheiten sowie die unklaren Entwicklungen der US-Geldpolitik.

V-CHECK Video: Gold kaufen 2026: Lohnt sich der sichere Hafen noch?

Gold galt lange als einer der zuverlässigsten sicheren Häfen für Anleger. Nach Jahren steigender Preise zeigt das Edelmetall nun ungewohnte Schwäche. Ist die Gold-Rally beendet oder entsteht gerade eine neue Kaufchance?

Während Zentralbanken ihre Bestände weiter ausbauen, fragen sich viele Anleger, ob Gold noch attraktiv bewertet ist. Besonders spannend wird die Frage, wann Schutz sinnvoll ist und wann Gold selbst zum Risiko werden kann.

Antworten von Stefan Albrech, Vorstandsvorsitzender und Vermögensverwalter der Albrech und Z Vermögensverwaltung, im Gespräch mit Andreas Franik. Aufgezeichnet auf dem V-Bank Vermögenstag am 26.06.2026.

Vor allem die Notenbanken kauften Gold weitgehend unabhängig vom Tagespreis und verfolgten damit langfristige Ziele, argumentiert Rainer Beckmann von der Vermögensverwaltung ficon Vermögensmanagement in Düsseldorf. Allen voran ziehe sich die chinesische Notenbank immer weiter aus dem US-Dollar zurück und stocke Goldbestände auf. „Diesem Trend schließen sich immer mehr Notenbanken an“, beobachtet Beckmann.

Ebenso entscheidend ist die Entwicklung der US-Zinsen. „Sollte die US-Notenbank die Zinsen senken und gleichzeitig der Dollar schwächer werden, hätte Gold weiteres Potenzial. Bleiben die Zinsen dagegen länger hoch, kann Gold auch wieder deutlich unter Druck geraten“, meint Schmack. Gleichzeitig warnt er davor, den Wechselkurs außer acht zu lassen. „Für deutsche Anleger zählt nicht nur der Dollarpreis, sondern was davon in Euro übrig bleibt“. So sei der Geldpreis in Dollar 2025 um rund 66 Prozent gestiegen, in Euro waren es knapp 48 Prozent. „Der Wechselkurs kann für Anleger im Euroraum also einen erheblichen Teil der Goldrendite ausmachen“, so Schmack.

Grafik: Historische Entwicklung des Goldpreises in USD

gold auf rekordniveau sollten anleger jetzt noch einsteigen (1)

Interview mit Mirko Kohlbrecher, Spiekermann AG: Warum Gold vor einem neuen Höhenflug stehen könnte

Mirko Kohlbrecher

„Ein stark steigender Goldpreis ist das klassische ‚Fieberthermometer‘ des globalen Finanzsystems.“

Mirko Kohlbrecher: Aus meiner Sicht spricht vieles dafür, dass wir aktuell die Ausbildung eines tragfähigen Bodens beim Goldpreis sehen. Ein entscheidender Faktor ist die unverändert starke Nachfrage der Zentralbanken. Sie kaufen seit drei Jahren in Folge jeweils weit über 1.000 Tonnen Gold pro Jahr und treten bei Kursrückgängen als verlässliche Käufer auf. Dadurch entsteht ein echtes „Sicherheitsnetz“ für den Markt. Kleinere Korrekturen nach dem ersten Anstieg ab der Marke von 4.000 US-Dollar bieten aus meiner Sicht gute Gelegenheiten für einen schrittweisen Positionsaufbau.

Kohlbrecher: Eine Zielmarke von 5.000 US-Dollar mag auf den ersten Blick ambitioniert wirken, ist aber aus meiner Sicht die Konsequenz der aktuellen globalen Währungs- und Schuldenarchitektur. Viele Staaten sind hoch verschuldet, gleichzeitig können die Notenbanken die Zinsen nicht unbegrenzt hochhalten. Hinzu kommt, dass institutionelle Investoren und Family Offices nach wie vor vergleichsweise geringe Goldquoten halten. Wenn diese Anleger ihre Allokationen nur leicht erhöhen, trifft viel Kapital auf ein begrenztes Angebot. Die Marke von 5.000 US-Dollar reflektiert deshalb aus meiner Sicht keine Spekulationsblase, sondern die nächste Phase eines langfristigen Bullenmarktes.

Kohlbrecher: Der Goldpreis wird derzeit von einem Zusammenspiel aus Geldpolitik, Geopolitik und einer Neuausrichtung des globalen Finanzsystems getrieben. Wichtig sind die Erwartungen an die künftige US-Geldpolitik und die Entwicklung der Realzinsen. Gleichzeitig beschleunigt sich die De-Dollarisierung: Zentralbanken, insbesondere aus den BRICS-Staaten und Schwellenländern, bauen ihre Goldreserven aus strategischen Gründen massiv aus. Hinzu kommt, dass die globale Minenförderung an strukturelle Grenzen stößt. Eine hohe Nachfrage trifft also auf ein nur begrenzt ausweitbares Angebot.

Kohlbrecher: Der Trend weg vom US-Dollar ist aus meiner Sicht einer der wichtigsten langfristigen Treiber. Viele Staaten wollen ihre Reserven breiter aufstellen und mögliche Sanktions- oder Konfiszierungsrisiken vermeiden. Gold spielt dabei eine besondere Rolle, weil es kein Gegenparteirisiko besitzt. Deshalb kaufen vor allem Schwellenländer und BRICS-Staaten verstärkt physisches Gold. Diese Entwicklung sorgt für eine stabile Nachfrage, die weitgehend unabhängig von kurzfristigen Kursschwankungen ist.

Kohlbrecher: Ja. Ein stark steigender Goldpreis ist das klassische „Fieberthermometer“ des globalen Finanzsystems. Gold ist das einzige primäre Währungs-Asset ohne Gegenparteirisiko. Wenn Kapital verstärkt in einen Vermögenswert fließt, der weder Zinsen noch Dividenden zahlt, zeigt das häufig, dass Anleger systemische Risiken höher gewichten als die Ertragschancen klassischer Finanzanlagen. Ein steigender Goldpreis kann daher auf einen schwindenden Vertrauensvorschuss gegenüber Papierwährungen und Staatsanleihen hindeuten. Gleichzeitig bedeutet er aber nicht automatisch, dass unmittelbar eine Krise bevorsteht.

De-Dollarisierung

De-Dollarisierung bezeichnet den Versuch von Staaten oder Unternehmen, ihre Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern. Dazu werden beispielsweise Rohstoffgeschäfte, Kredite oder internationale Zahlungen verstärkt in anderen Währungen abgewickelt. Ziel ist es, Wechselkursrisiken zu reduzieren und unabhängiger von der US-Finanzpolitik zu werden.

Die Anlage in Wertpapieren ist auch immer mit Risiken verbunden. Anleger sollten sich vor Abschluss einer Investition über die einschlägigen Risiken informieren. Nähere Informationen zu möglichen Risiken finden Sie unter: https://www.v-check.de/risikohinweise

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