Warum vermögende Anleger ihr Depot in eine Versicherung stecken
Ein Wertpapierdepot lässt sich nämlich nicht nur bei einer Bank führen, sondern auch innerhalb einer Versicherung. Das wirkt zunächst ungewohnt und ist nicht für jeden Anleger sinnvoll. Entscheidend ist, unter welchen Voraussetzungen dieser Rahmen tatsächlich Vorteile bietet – und wo seine Grenzen liegen.
Unter bestimmten Voraussetzungen kann dieser Rahmen steuerliche Vorteile bieten und die Weitergabe an die nächste Generation erleichtern. Versicherungen werden häufig mit Risikoabsicherung verbunden. Tatsächlich können sie auch als struktureller Rahmen für Kapitalanlagen eingesetzt werden. Im Depot selbst ändert sich dabei wenig, wohl aber die rechtliche und steuerliche Behandlung des Vermögens. Die konkrete Ausgestaltung und die steuerlichen Folgen hängen von der individuellen Situation ab.
Gewohntes Depot, neuer Rahmen
Im Wertpapierdepot wird weiterhin am Kapitalmarkt investiert. Das kann beispielsweise über Fonds oder durch eine professionelle Vermögensverwaltung erfolgen. Der Anleger entscheidet weiterhin über die Anlagestrategie, die Versicherung bildet den rechtlichen Rahmen. Das Wertpapierdepot wird als Sondervermögen getrennt vom übrigen Vermögen des Versicherers geführt. Das bedeutet: der Anleger hat einen vertraglich geregelten Anspruch auf die zugrunde liegenden Vermögenswerte.
Steuern im laufenden Betrieb
Hier zeigen sich zentrale Unterschiede: Gewinne, Ausschüttungen und Wertsteigerungen innerhalb des Vertrages werden nicht laufend besteuert. Umschichtungen lösen innerhalb des Vertrags keine unmittelbare Besteuerung aus. Auch die sogenannte Vorabpauschale – eine jährliche Mindestbesteuerung bei Fonds – entfällt. Dem stehen je nach Ausgestaltung auch Einschränkungen, etwa bei Kostenstruktur oder Flexibilität, gegenüber.
Jeder Anleger weiß: Werden in einem klassischen Depot Gewinne realisiert, fällt Abgeltungsteuer an. Im Versicherungsrahmen bleibt das investierte Kapital zunächst ungekürzt im Markt. Der mögliche Vorteil entsteht vor allem über längere Zeiträume durch den aufgeschobenen Steuerabfluss.
Diese Steuerstundung kann ein Vorteil sein. Ihre Wirkung hängt jedoch stark vom Anlagehorizont und der individuellen Steuersituation ab. Ein entscheidender Hebel entsteht in Kombination mit der steuerlichen Behandlung im Erbfall.
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Der Experte Lothar Koch ist Vermögensverwalter bei der GSAM + Spee AG.
Steuerliche Unterschiede im Überblick
Klassisches Depot
- Abgeltungsteuer bei Verkäufen
- Vorabpauschale bei Fonds
- Umschichtungen steuerpflichtig
Depot im Versicherungsmantel
- Besteuerung wird in der Regel auf den Zeitpunkt der Entnahme verschoben
- Umschichtungen lösen innerhalb des Vertrags keine unmittelbare Besteuerung aus
- Bei Entnahme erfolgt die Besteuerung unter bestimmten Voraussetzungen nach dem Halbeinkünfteverfahren; im Erbfall kann die Auszahlung an Bezugsberechtigte steuerlich begünstigt sein
Erben und Schenken für die nächste Generation
Ein weiterer Unterschied zeigt sich bei der Vermögensnachfolge. Es kann vertraglich festgelegt werden, wer im Erbfall das Vermögen erhält – ähnlich einem Vermächtnis. Die Auszahlung erfolgt direkt an die benannte Person, unabhängig von Erbeinsetzung oder Zustimmung anderer Erben. Änderungen der Bezugsberechtigung sind jederzeit möglich.
Entscheidend ist die steuerliche Behandlung im Erbfall. Bei einem klassischen Depot werden aufgelaufene Gewinne grundsätzlich auch im Todesfall besteuert. Im Versicherungsrahmen kann die Auszahlung an Bezugsberechtigte – abhängig von der konkreten Vertragsgestaltung – steuerlich begünstigt sein: im Todesfall der versicherten Person kann die Besteuerung der Kapitalerträge entfallen, abhängig von der konkreten Ausgestaltung. In bestimmten Konstellationen können über Jahre aufgebaute Gewinne ohne zusätzliche Abgeltungsteuer auf die nächste Generation übergehen, wobei die steuerliche Behandlung stets vom Einzelfall abhängt.
Möglich ist auch die Übertragung zu Lebzeiten. Großeltern können den Vertrag beispielsweise an Enkel verschenken und sich ein Mitspracherecht vorbehalten. Mit dem Tod der Schenker entfällt dieses Recht und das Vermögen wird entsprechend der vertraglichen und steuerlichen Regelungen übertragen.
Den Versicherungsrahmen für ein Depot gibt es seit Jahrzehnten. Der Einsatz hat sich über die Jahre ausgeweitet und wird heute in unterschiedlichen Beratungskontexten genutzt. Ob ein Versicherungsmantel im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von Vermögenshöhe, Anlagehorizont und Nachfolgezielen ab.
Für wen kann ein Versicherungsmantel sinnvoll sein?
| Geeignet kann ein Versicherungsmantel sein bei: | Weniger geeignet kann er sein bei: |
|---|---|
| langfristiger Vermögensplanung | kurzfristigem Anlagehorizont |
| strukturierter Nachfolgeplanung über Generationen | kleineren Vermögen |
| größeren Vermögen |
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