Krisensicher investieren: Wie Anleger mit ETFs ruhiger schlafen und Verluste begrenzen

Krisensicher investieren: Wie Anleger mit ETFs ruhiger schlafen und Verluste begrenzen


Viele Privatanleger suchen in unsicheren Zeiten vor allem Stabilität. Erfahren Sie, wie ein resilientes ETF-Portfolio aufgebaut ist, welche Strategien Verluste abfedern können und warum Sicherheit oft wichtiger ist als maximale Rendite.

Interview mit Ortay Gelen: Viele Anleger wollen heute vor allem eines: Ruhig schlafen können

Ortay Gelen

“Das Ziel ist nicht, jedes Börsenhoch mitzunehmen, sondern größere Verluste zu begrenzen. Vor allem bei Anlegern, die keinen langen Anlagehorizont mehr haben, gilt Sicherheit vor Rendite.”

V-CHECK: Herr Gelen, viele Privatanleger sind angesichts von Kriegen, Inflation und Börsenschwankungen verunsichert. Was beobachten Sie aktuell?

Ortay Gelen: Mandanten suchen in diesen Zeiten vor allem eines: Kontinuität im Depot. Sehr viele Anleger haben in den letzten Jahren schmerzhaft erlebt, wie schnell Depots kräftig an Wert verlieren können. In solchen Zeiten geht es weniger um das Erzielen der maximalen Rendite, sondern um die Frage: Wie stabil ist mein Vermögen, wenn es an den Märkten unruhig wird? 

V-CHECK: Bedeutet das, dass Sicherheit wichtiger wird als Rendite?

Gelen: Für viele Privatanleger ja – zumindest zeitweise. Das Ziel ist nicht, jedes Börsenhoch mitzunehmen, sondern größere Verluste zu begrenzen. Vor allem bei Anlegern, die keinen langen Anlagehorizont mehr haben, gilt Sicherheit vor Rendite. Wer Panikverkäufe vermeidet und investiert bleibt, hat nach meiner Erfahrung langfristig oft den größeren Erfolg. Resiliente Aktien und ETFs bilden deshalb das Rückgrat einer Portfolioarchitektur.

V-CHECK: Was verstehen Sie unter einem „resilienten“ Depot?

Gelen: Ein resilientes Depot ist so aufgebaut, dass es Marktschwankungen besser aushält. Es setzt auf Unternehmen, die auch in schwierigeren Zeiten stabile Gewinne erzielen, solide finanziert sind und häufig bewährte Geschäftsmodelle haben. ETFs sind dafür besonders gut geeignet, weil sie breit streuen und transparent funktionieren.

V-CHECK: Wie setzen Sie das konkret um?

Gelen: Die Praxis hat gezeigt, dass kein einzelnes ETF-Konzept alle Anforderungen an Resilienz erfüllt. Wir arbeiten daher häufig mit einem sogenannten Core‑Satellite‑Ansatz, bei dem verschiedene ETF-Typen gezielt kombiniert werden. Der Kern des Depots besteht aus stabilen Basis‑ETFs, die langfristig Ruhe ins Portfolio bringen. Ergänzt wird das Ganze durch kleinere Positionen, die gezielt zusätzliche Stabilität oder moderates Wachstum liefern.

V-CHECK: Welche ETFs eignen sich als Kern für Privatanleger?

Gelen: Besonders bewährt haben sich regelbasierte Quality‑ETFs. Diese investieren nur in Unternehmen mit solider Bilanz, stabilen Gewinnen und geringer Verschuldung. Sie sind der stabile Anker des Portfolios und erfahrungsgemäß in Abschwungphasen deutlich widerstandsfähiger als der breite Markt.

Ergänzend bieten sich sogenannte Minimum-Volatility-ETFs an. Sie enthalten Aktien, die historisch weniger geschwankt haben als der Gesamtmarkt – oft aus Bereichen wie Gesundheit, Basiskonsum oder Versorger. Gerade in Hochstressphasen federn sie Verluste spürbar ab.

V-CHECK: Viele Privatanleger schätzen regelmäßige Erträge. Welche Rolle spielen Dividenden?

Gelen: Eine sehr große. Dividenden‑Aristokraten‑ETFs investieren in Unternehmen, die ihre Dividende seit mindestens 25 Jahren kontinuierlich steigern. Sie erfüllen im Portfolio eine Doppelrolle: Sie sorgen für regelmäßige, kalkulierbare Zahlungsströme und damit für Stabilität und haben bewiesen, dass sie auch schwierige Zeiten überstehen können.

V-CHECK: Gibt es auch Platz für Wachstum im Depot?

Gelen: Ja, aber dosiert. Als Beimischung nutzen wir sogenannte Moat‑ETFs, die auf Unternehmen mit starken Wettbewerbsvorteilen setzen – etwa bekannte Marken oder technologisch führende Firmen. Sie liefern langfristige Wachstumschancen.

V-CHECK: Gibt es auch Nachteile an solchen defensiven Strategien?

Gelen: Ja, die sollte man ehrlich ansprechen. Defensive und schwankungsarme ETFs konzentrieren sich auf bestimmte Sektoren wie Gesundheit, Konsum und Energie/Infrastruktur. Daher sollte das Portfolio regelmäßig überprüft werden, ob es weiterhin zum individuellen Risikoprofil passt.

Natürlich muss ein Anleger auch seine Erwartungen anpassen. Resiliente Portfolios sind bewusst defensiv konstruiert. In starken Bullenmärkten – insbesondere wie zuletzt in technologiegetriebenen Rallyes – werden sie nicht im gleichen Maße wie der Markt steigen. Wer nur auf Stabilität setzt, verzichtet somit ein Stück weit zwar auf Spitzenrenditen, hat jedoch in turbulenten Marktsituationen mehr Ruhe im Portfolio.

V-CHECK: Sind solche Portfolios völlig krisensicher?

Gelen: Nein. Auch resiliente ETF‑Depots können bei extremen Marktschocks deutlich verlieren. Der Unterschied ist: Die Verluste fallen meist geringer aus und die Erholung verläuft oft stabiler und schneller, da weniger Verlust aufgeholt werden muss. Ein kompletter Kapitalschutz ist mit Aktien‑ETFs nicht möglich.

V-CHECK Video: Die ETF-Strategie fürs Leben: Vom Sparplan zum Ruhestandsdepot | Webinar

ETFs haben die Geldanlage revolutioniert – einfach, transparent und effizient. Doch wie nutzt man sie optimal für den eigenen Vermögensaufbau? Vom ersten Sparplan über die gezielte Vermögensstruktur bis hin zum Ruhestandsdepot: ETFs können in jeder Lebensphase ein wertvoller Baustein sein. Entscheidend ist, die passende Strategie zu kennen – und sie konsequent umzusetzen.

Der Referent Markus Richert ist Dipl.-Kfm. und Certified Financial Planner (CFP®) sowie Vermögensverwalter bei Portfolio Concept Vermögensmanagement GmbH.

Checkliste: So prüfen Privatanleger ihr Depot auf Krisenfestigkeit

Diese Fragen helfen Ihnen einzuschätzen, wie robust Ihr Depot in unruhigen Marktphasen wirklich ist:

 

Wie stark schwankt mein Depot in schlechten Börsenphasen?

  • Habe ich in vergangenen Krisen (z. B. 2020, 2022) starke Verluste erlebt?
  • Würde ein Kursrückgang von 20–30 % mich emotional oder finanziell zum Verkauf zwingen?

–> Ein krisenfestes Depot verliert meist weniger als der Gesamtmarkt – auch wenn Verluste nicht ganz vermeidbar sind.

 

Bin ich ausreichend breit gestreut?

  • Investiere ich in verschiedene Regionen (Europa, USA, Welt)?
  • Sind mehrere Branchen vertreten oder dominiert ein einzelnes Thema (z. B. Technologie)?
  • Nutze ich ETFs statt vieler Einzelaktien?

–> Hohe Abhängigkeit von wenigen Aktien oder einem Sektor erhöht das Risiko.

 

Setzt mein Depot auf finanzstarke Unternehmen?

  • Sind ETFs oder Fonds enthalten, die gezielt auf Qualität achten?
  • Werden Unternehmen mit stabilen Gewinnen und soliden Bilanzen bevorzugt?

–> Quality‑ETFs oder vergleichbare Fonds erhöhen die Widerstandsfähigkeit in Krisenzeiten.

 

Habe ich Schwankungsdämpfer im Portfolio?

  • Sind defensive Bausteine wie Minimum‑Volatility‑ETFs enthalten?
  • Liegt der Fokus nicht ausschließlich auf wachstumsstarken, aber schwankungsintensiven Aktien?

–> Weniger Schwankung führt oft zu mehr Durchhaltevermögen.

 

Erhalte ich laufende Erträge?

  • Enthält mein Depot dividendenstarke Anlagen?
  • Gibt es ETFs mit stabilen oder steigenden Dividenden?

–> Regelmäßige Erträge können Kursrückgänge psychologisch abfedern.

 

Sind meine Kosten im Griff?

  • Liegt die Gesamtkostenquote (TER) meiner ETFs unter 0,5 % p. a.?
  • Vermeide ich teure Fonds ohne klaren Mehrwert?

–> Hohe Kosten schwächen die Rendite – gerade in schwierigen Marktphasen.

 

Ist mein Depot leicht anpassbar?

  • Sind meine Anlagen jederzeit handelbar (börsentäglich)?
  • Kann ich bei Bedarf schnell reagieren, ohne hohe Kosten oder Einschränkungen?

–> ETFs bieten hohe Flexibilität im Vergleich zu geschlossenen oder illiquiden Produkten.

 

Habe ich realistische Erwartungen?

  • Ist mir bewusst, dass ein defensives Depot nicht jede Börsenrally anführt?
  • Akzeptiere ich geringere Spitzenrenditen zugunsten von mehr Stabilität?

–> Krisenfeste Depots glänzen selten im Boom – dafür halten sie Verluste in Grenzen.

 

Passt das Depot zu meinem persönlichen Risikoprofil?

  • Entspricht die Aktienquote meiner Lebenssituation?
  • Habe ich ausreichende Liquiditätsreserven außerhalb des Depots?

–> Die beste Strategie nützt nichts, wenn sie nicht zum Anleger passt.

 

Könnte ich auch in der nächsten Krise investiert bleiben?

  • Würde ich mein Depot bei einem deutlichen Markteinbruch halten?
  • Habe ich einen klaren Plan für Stressphasen?

–> Langfristig schneiden Anleger besser ab, die nicht in Panik verkaufen.

Die Anlage in Wertpapieren ist auch immer mit Risiken verbunden. Anleger sollten sich vor Abschluss einer Investition über die einschlägigen Risiken informieren. Nähere Informationen zu möglichen Risiken finden Sie unter: https://www.v-check.de/risikohinweise

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