Was bringt mir ein unabhängiger Vermögensverwalter überhaupt?
Ein unabhängiger Vermögensverwalter ist eine dieser Optionen. Er arbeitet außerhalb von Bankstrukturen und übernimmt – auf Basis einer Verwaltungsvollmacht – die laufende Betreuung des Vermögens. Worin sich dieses Modell von der klassischen Bankberatung unterscheidet und für wen es sinnvoll sein kann, zeigt der folgende Überblick.
Objektivität durch Provisionsfreiheit
In einer klassischen Bank sind Berater oft auch „Verkäufer“. Sie erhalten Provisionen (Kickbacks) für den Verkauf hauseigener Fonds oder Zertifikate. Das Geschäftsmodell unabhängiger Vermögensverwalter basiert dagegen in der Regel auf einem festen Honorar, etwa zwischen ein und 1,5 Prozent des verwalteten Vermögens.
In der Praxis kann es vorkommen, dass die Gesamtkosten im ersten Jahr einer Zusammenarbeit investitionsbedingt (durch die Depotbankkosten) etwas höher ausfallen, etwa durch einmalige Umstellungen oder Transaktionen im Depot. In den Folgejahren normalisieren sich diese Kosten häufig. Je nach gewähltem Depotbankmodell können beispielsweise Depotbankkosten von rund 0,06 Prozent pro Jahr anfallen, hinzu kommen Produktkosten (bei Einzelaktien und Anleihen häufig null Prozent, bei ETFs und Fonds je nach Produkt bis zu rund zwei Prozent jährlich) sowie das Honorar des Vermögensverwalters.
V-CHECK Video:
Nur für Superreiche?! Wann Vermögensverwaltung sinnvoll ist
Gerade in bewegten Börsenzeiten suchen viele Sparer nach Antworten: Wie lässt sich Vermögen sicher, rentabel und zugleich kostengünstig anlegen? Welche Strategien helfen, Schwankungen an den Finanzmärkten gelassen zu begegnen? Vermögensverwalter können dabei verlässlich und unabhängig unterstützen.
Portfoliomanager Patrick Dutz von der ADLATUS AG, dem größten unabhängigen Vermögensverwalter in Mitteldeutschland, im Interview mit Börsenmoderator Andreas Franik.
Da unabhängige Vermögensverwalter keine Zahlungen von Produktanbietern annehmen, entfällt für sie der Anreiz, bestimmte Finanzprodukte aus Provisionsgründen zu bevorzugen. Mögliche Bestandsprovisionen, die über die Depotbank anfallen, werden bei vielen Anbietern ganz oder teilweise an die Anleger zurückerstattet. Diese Beträge tauchen in der Regel als „sonstige Erträge“ in den Abrechnungen der Depotbank auf und werden dort steuerlich berücksichtigt. Eine sogenannte Ex-post-Kostenaufstellung gibt Anlegern zudem einen Überblick über alle im Jahr tatsächlich angefallenen Kosten.
Zugang zum gesamten Markt (Best-in-Class)
Während Banken häufig auf ein begrenztes Produktangebot zurückgreifen, können unabhängige Vermögensverwalter grundsätzlich auf das gesamte Spektrum des Kapitalmarkts zugreifen. Dazu zählen beispielsweise kostengünstige ETFs, institutionelle Fondsanteilsklassen oder spezialisierte Anlagelösungen, ohne an konzerninterne Vorgaben gebunden zu sein.
Ein Kostenvergleich kann die Unterschiede verdeutlichen: Während klassische Investmentfonds neben einem Ausgabeaufschlag von bis zu fünf Prozent häufig laufende Kosten von bis zu zwei Prozent pro Jahr ausweisen, sind vergleichbar investierende ETFs oft deutlich günstiger.
Ein Beispiel: So weist der Amundi S&P Global Luxury ETF (WKN A2H564), der in ähnliche Unternehmen investiert wie der Fonds GAM Multistock Luxury Brands Equity (WKN A0NCNT), laufende Kosten von 0,25 Prozent pro Jahr aus, während die laufenden Kosten des Fonds bei 2,07 Prozent jährlich liegen (Quelle: Onvista). Solche Kostenunterschiede können sich insbesondere bei langfristigen Anlagen deutlich auf die Nettorendite auswirken.
Gleichgerichtete Interessen (Win-Win)
Die Vergütung unabhängiger Vermögensverwalter ist in der Regel an die Höhe des verwalteten Vermögens gekoppelt. Dadurch besteht ein grundsätzlich gleichgerichtetes Interesse, das Vermögen zu erhalten und langfristig zu entwickeln. Einige Anbieter vereinbaren darüber hinaus erfolgsabhängige Vergütungsbestandteile, etwa in Form einer Gewinnbeteiligung. Solche Modelle sollten Anleger sorgfältig prüfen und im Detail verstehen.
V-CHECK Podcast mit Prof. Dr. Webersinke: Chancen für Anleger! Vermögensverwalter boomen
Unabhängige Vermögensverwalter erleben so viele Kunden wie noch nie – doch warum? Vertrauen, Empfehlungen und überzeugende Ergebnisse spielen eine zentrale Rolle. Die Branche wächst trotz Krisen, dennoch horten immer mehr Deutsche Bargeld zu Hause.
Experteninterview mit Prof. Hartwig Webersinke vom Institut für Vermögensverwaltung der TH Aschaffenburg und Moderator Peter Heinrich von der Börsenradio Network AG. Aufgezeichnet auf dem V-Bank Vermögenstag am 27.06.2025.
Persönliche Kontinuität
Bei Großbanken wechseln Ansprechpartner häufig – etwa durch interne Umstrukturierungen oder Karrierewechsel. Unabhängige Vermögensverwaltungen sind häufig inhabergeführt und auf langfristige Kundenbeziehungen ausgerichtet. Anleger profitieren dadurch oft von einer kontinuierlichen Betreuung durch feste Ansprechpartner, die mit der persönlichen Situation, den Zielen und der Risikoneigung vertraut sind. Teilweise sind auch mehrere Ansprechpartner eingebunden, um eine verlässliche Betreuung sicherzustellen.
Sicherheit durch das Depotbank-Modell
Ein häufiges Missverständnis betrifft die Sicherheit des Vermögens: Das Kapital liegt nicht beim Vermögensverwalter selbst, sondern auf einem Depot bei einer vom Anleger ausgewählten Bank (zum Beispiel V-Bank, VP Bank oder Deutsche Bank) auf dessen Namen.
Der Vermögensverwalter erhält lediglich eine Verwaltungsvollmacht, um Käufe und Verkäufe vorzunehmen. Ein Zugriff auf das Geld zu eigenen Zwecken ist nicht möglich. Auch im Fall einer Insolvenz des Vermögensverwalters bleibt das Vermögen als Sondervermögen geschützt.
Anleger sollten darauf achten, dass ein Vermögensverwalter über eine Zulassung der BaFin nach § 15 Wertpapierinstitutsgesetz (früher § 32 KWG) verfügt. Dies stellt die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben und laufender Kontrollen sicher.
Je nach Depotbank kommen unterschiedliche Kostenmodelle zum Einsatz, von Einzelabrechnungen pro Transaktion bis hin zu pauschalen oder sogenannten All-Inclusive-Fees. Diese sollten für Anleger transparent nachvollziehbar sein.
Exemplarischer Kostenvergleich zweier Depotmodelle
Depotvolumen 1 Mio. Euro, vergleichbare Marktentwicklung, langfristige Ausrichtung
| Kostenkategorie | Klassische Banklösung | Unabhängige Vermögensverwaltung |
|---|---|---|
| Einmalige Kosten im 1. Jahr | ca. 5,5 % | ca. 1,5 % |
| Laufende Kosten ab Jahr 2 (p.a.) | ca. 1,7 % | ca. 1,1 % |
| Kosten im 1. Jahr | ca. 55.000 € | ca. 15.000 € |
| Laufende Kosten ab Jahr 2 (p.a) | ca. 17.000 € | ca. 11.000 € |
| Gesamtkosten nach 5 Jahren | ca. 120.000–140.000 € | ca. 60.000–75.000 € |
Erläuterung zur Beispielrechnung:
Die Darstellung zeigt einen vereinfachten Kostenvergleich zweier Depotmodelle auf Basis eines angenommenen Depotvolumens von 1 Mio. Euro. Für die Berechnung wird ein konstantes Vermögen unterstellt; Wertentwicklungen bleiben unberücksichtigt. Die angegebenen Beträge dienen der Illustration und können – abhängig von Depotbank, Produktwahl, Handelsaktivität und individueller Vergütungsvereinbarung – abweichen. Quelle: Oberbanscheidt & Cie
Sie möchten mehr über unabhängige Vermögensverwalter erfahren? Lesen Sie hier weiter!
Viele Anleger stellen sich diese Frage, wenn es um größere Vermögen oder langfristige Finanzentscheidungen geht. Banken, Online-Angebote, Honorarberatung – die Auswahl ist groß, die Unterschiede sind auf den ersten Blick oft schwer zu erkennen.
Anlagewissen aus sozialen Medien oder Geldanlagerat aus KI-Quellen kann wertvoll sein. Statt schnellem Reichtum bringen jedoch auch so manche unseriösen Angebote das Gegenteil. Anleger sollten ein solides Finanzbasiswissen aufbauen und im Zweifel offline eine zweite, unabhängige Meinung einholen.
Künstliche Intelligenz kann helfen, Investmentprozesse effizienter zu machen. Aber die emotionale Dimension sollte als langfristiger Erfolgsfaktor nicht unterschätzt werden. Nur wer digitale Möglichkeiten und menschliche Bedürfnisse in Einklang bringt, hat auf Dauer Erfolg.