KI als Anlageberater – interessant, aber nicht umfassend!

KI als Anlageberater – interessant, aber nicht umfassend!


Künstliche Intelligenz kann helfen, Investmentprozesse effizienter zu machen. Aber die emotionale Dimension sollte als langfristiger Erfolgsfaktor nicht unterschätzt werden. Nur wer digitale Möglichkeiten und menschliche Bedürfnisse in Einklang bringt, hat auf Dauer Erfolg.

„Wo soll ich mein Geld anlegen?“, wer diese Frage einer künstlichen Intelligenz stellt, kann gute Antworten bekommen. Das kostenlose Angebot von Microsoft „Copilot“ antwortet zum Beispiel: „Die Entscheidung, wie du dein Geld anlegen solltest, hängt von deinen Zielen, deiner Risikobereitschaft und deinem Zeithorizont ab. Aber ich gebe dir gern ein paar Ansätze, damit du loslegen kannst…“. Dann empfiehlt die KI eine breite Diversifikation auf verschiedene Anlageklassen wie Indexfonds, Tages- und Festgelder, Einzelaktien, Immobilien und Altersvorsorgeprodukte. Das ist erstmal an sich kein schlechter Rat und auf Nachfrage bietet einem der allwissend wirkende Chatroboter sogar ein Beispielportfolio mit konkreten Tipps wie einem Indexfonds auf den global gestreuten MSCI World Index oder Investments in sogenannte Blue Chips, also große Börsenwerte wie Apple und Siemens. Das klingt alles gut und viele stellen sich da die Frage, für was brauchen Anleger denn dann eigentlich noch menschliche Beratung?

Roboter-Rat immer gut und kostenlos?

Es ist wie so oft, nur weil etwas gut klingt, muss es noch lange nicht gut sein. Oder wie es die Stiftung Warentest auf ihrer Internetseite beim letzten Test aus dem Jahr 2023 von automatisierten Anlageangeboten formulierte: „Unser Robo-Advisor-Vergleich zeigt große Unterschiede bei Kosten und Qualität der Anlagevorschläge.“ Daran hat sich auch heute nichts Grundsätzliches geändert: Nur weil ein Teil des Investmentprozesses digital abläuft, ist das keine Garantie, dass das Ergebnis unter dem Strich wirklich günstiger und besser ist. Denn wer nicht nur Standardphrasen, sondern wirklich sinnvolle Antworten auf die Frage nach der optimalen Geldanlage haben möchte, muss die individuelle Gesamtsituation im Auge haben.

Wie ein Vermögen im konkreten Einzelfall am besten langfristig aufgebaut wird, ist von vielen Faktoren abhängig. Das heißt, ohne ganz persönliche Angaben kann niemand – auch nicht eine noch so leistungsfähige KI oder ein Robo-Advisor – wirklich valide Ratschläge geben. Ob man jedoch den Betreibern eines Chatbots anvertrauen möchte, wie hoch der momentane Verdienst ist, wie die Familienplanung aussieht oder welche gesundheitlichen Themen eine Rolle für die Zukunft spielen können, kann jeder für sich entscheiden.

In einer umfassenden Analyse werden auch Dinge wie Karriereziele, die Zeitplanung für eine Geschäftsübergabe oder Erbschaftsgestaltung einbezogen, die vielleicht nicht unbedingt einfach so im Cyberspace laden sollten. Die Nutzer sollten sich im Klaren sein, auch kostenlose Angebot wollen am Ende Geld verdienen und persönliche Daten sind im Digitalzeitalter bei vielen Dingen die Währung, mit der letztlich bezahlt wird. Aber heißt das, wir als Vermögensverwalter lehnen das Thema KI generell ab?

Künstliche Intelligenz richtig nutzen!

Ganz im Gegenteil, wir leben im Zeitalter der Digitalisierung und KI wird die allermeisten Bereiche grundlegend verändern, das gilt auch für Anlagethemen. Automatisierte Angebote können gerade bei kleineren Vermögen sinnvolle Optionen aufzeigen und wer genau vergleicht, findet inzwischen durchaus interessante Modelle. Auch wir nutzen immer mehr KI, sei es zur Recherche, im Büroalltag oder auch als Investmentthema. Da befinden wir uns in guter Gesellschaft, denn laut einer Studie des Beratungsunternehmens PWC vom Anfang des Jahres nutzen 73 Prozent der Unternehmen im Finanzsektor bereits solche Anwendungen. Aber eine Frage steht natürlich im Raum: Machen uns die immer leistungsfähigeren und intelligenteren Anlageroboter nicht irgendwann arbeitslos?

Menschlichen Vorteil nutzen

Wir sehen KI in unserem Bereich nicht als disruptiven Prozess, sondern als spannende Ergänzung. Denn natürlich kann uns digitale Automatisierung oder die Datenanalysefähigkeit Künstlicher Intelligenz helfen, Zeit zu sparen und effizienter zu arbeiten. Wenn zum Beispiel bei der Selektion einzelner Aktientitel ein Branchenvergleich in Sekunden möglich ist, statt stundenlanges Zusammentragen von Informationen zu erfordern, bleibt uns am Ende mehr Zeit, die wir für unsere Kernkompetenz nutzen können: Die individuelle Situation und die persönlichen Bedürfnisse unserer Kunden in Einklang mit ihren langfristigen Finanzzielen zu bringen.

Natürlich gilt es immer, möglichst rationale Anlageentscheidungen zu treffen und dafür nutzen wir selbstverständlich das wachsende Potenzial Künstlicher Intelligenz. Aber wir beziehen auch die menschliche, emotionale Dimension von Anlagethemen mit ein und das sollte als Erfolgsfaktor nicht unterschätzt werden. Wir begleiten viele unserer Kunden seit Jahrzehnten, kennen ihre Situation und passen Strategien an, wenn sich die persönlichen Ziele ändern, was im Laufe eines Lebens erfahrungsgemäß immer wieder passieren kann.

Das so über viele Jahre aufgebaute Vertrauen bewahrt unsere Kunden in schwierigen Zeiten an den Märkten davor, panische und letztlich oft verlustreiche Entscheidungen zu treffen. Der Effekt, dass einem Kursschwankungen nicht den Schlaf rauben, weil man einen vertrauensvollen Ratgeber an der Seite hat, ist aus unserer Erfahrung für den langfristigen Vermögensaufbau ein wichtiger Erfolgsfaktor. Hier ist und wird wohl auch in Zukunft der echte Mensch der Künstlichen Intelligenz überlegen bleiben.

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