„Nichts tun“ ist oft die härteste Arbeit für Anleger
Wer in diesen Tagen und Wochen die Nachrichten verfolgt, braucht starke Nerven: Immer neue geopolitische Unsicherheiten, wieder wachsende Inflationsgefahr, Zinsanpassungen und die tägliche Flut aller möglichen Hiobsbotschaften erzeugen ein permanentes Grundrauschen der Verunsicherung. Dabei stellt sich immer wieder die Frage: Stehen wir direkt vor der nächsten Krise und müssen Anleger schnell handeln? Alle Aktien verkaufen, nur noch auf sichere Anleihen setzen oder doch noch stärker in die traditionelle Reservewährung Gold investieren? Bei dem ständigen Feuerwerk an schlechten Nachrichten, das die Medien produzieren oder der Feed in so manchem sozialen Netzwerk algorithmisch getrieben ausspuckt, ist es naheliegend, das Gefühl zu bekommen, dass auch im Depot ständig auf die aktuelle Situation reagiert werden muss.
Panik zahlt sich nicht aus!
Aber hier kommt endlich mal eine gute Nachricht: Es gibt keinen Grund zur Panik, denn die Kapitalmärkte belohnen Aktionismus in der Regel nicht. Der Mensch ist evolutionär auf Flucht oder Angriff programmiert. Es ist also nur zu verständlich, dass auch bei Problemen rund um Anlagethemen die Neigung besteht, besser etwas als nichts zu tun. Gerade wenn die Kurse nachgeben, schüttet das Gehirn das Stresshormon Cortisol aus. Der Drang zu reagieren, wird übermächtig, aber genau hier ist oft der Scheideweg zwischen langfristigem Anlageerfolg und kapitalen Fehlentscheidungen. Denn wer in Panik verkauft, verwandelt Buchverluste, also noch nicht realisierte Kursverluste, in reale Verluste und beraubt sich gleichzeitig der Chance auf die darauffolgende Erholung. Die aktuelle Studie „Mind the Gap 2026“ von Morningstar zeigt, dass Anleger in US-Fonds und ETFs über zehn Jahre im Durchschnitt jährlich 1,2 Prozentpunkte weniger Rendite erzielten als die Fonds selbst.
Ein möglicher Grund dafür ist die Angst vor Verlusten und verpassten Chancen – das ständige Hin und Her, das sprichwörtlich die Taschen leert. Das heißt natürlich nicht, dass professionelle Anleger gar nicht auf Entwicklungen reagieren oder den Kopf in den Sand stecken. Auch die beste Strategie muss angepasst werden, wenn sich Voraussetzungen grundlegend ändern. Wenn beispielsweise das Vertrauen in den Dollar aufgrund von Staatsverschuldungsrekorden, Zollkapriolen und geopolitischen Wirrungen sinkt, wäre es fahrlässig, als Euro-Investor nur auf Aktien und Anleihen aus den USA zu setzen. Auch in solchen Situationen kann umgeschichtet werden. Das muss nicht von heute auf morgen passieren, sondern es können gute Gelegenheiten abgewartet werden.
Außerdem zeigt die Erfahrung aus den letzten Jahrzehnten, dass es auch immer ganz anders als erwartet kommen kann. Wir leben in einer Zeit des Wandels, das reicht von technologischen Entwicklungen bis zu politischen Umwälzungen. Wer kann denn heute schon wirklich sicher voraussagen, wie die Welt in fünf, zehn oder sogar 20 Jahren aussieht?
V-CHECK Video: Krisen, KI, Crash? Warum Vertrauen jetzt der wichtigste Vermögensschutz ist
Wenn Märkte schwanken, Krisen zunehmen und Unsicherheit allgegenwärtig ist, rückt ein Faktor immer stärker in den Fokus: Vertrauen. Geopolitische Spannungen, nervöse Börsen und der Einsatz von künstlicher Intelligenz verändern die Spielregeln für Anleger spürbar. Klar ist: Ohne konsequentes Risikomanagement und eine verlässliche Beratung bröckeln selbst bewährte Anlagestrategien.
Antworten von Börsenmoderator Andreas Franik im Gespräch mit Andreas Glogger, Geschäftsführer von GLOGGER & PARTNER Vermögensverwaltung.
Die Kunst des Stillhaltens
Daraus lässt sich eine Lehre ziehen: Entscheidend ist eine solide aufgebaute, breit gestreute Vermögensallokation – also die Aufteilung des Vermögens auf verschiedene Anlageklassen. Das ist gerade in herausfordernden Zeiten wesentlich erfolgversprechender als hektisch auf jede Nachrichtenlage zu reagieren. Übrigens gilt das nicht nur für Negativmeldungen, denn auch aus der Angst heraus Chancen zu verpassen, auf jeden Zug aufzuspringen, zahlt sich nur selten aus. Erfolgreiche Vermögensverwalter zeichnen sich nicht durch hyperaktives Umschichten aus, sondern sind in einer anderen Disziplin führend, die in unserer beschleunigten Welt seltsam anachronistisch wirkt: im strategischen Stillhalten. Dabei gilt es, das Große und Ganze im Blick zu behalten, statt sich im alltäglichen Kleinklein zu verlieren.
Das bedeutet keineswegs Passivität, denn das scheinbare „Nichts tun“ ist in Wahrheit das Ergebnis intensiver Analysearbeit. Am Ende des Tages zeigt sich die Qualität von Anlagen nicht darin, wie schnell man auf den neuesten Trend aufspringt oder auf Meldungen reagiert, sondern wie gelassen man die unvermeidlichen Zyklen der Wirtschaft durchschreitet. Um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein, können Depots sowohl Edelmetalle und Anleihen als auch Aktien solider Unternehmen enthalten. Die Kunst liegt in der Zusammenstellung. Dabei gilt es, die großen Megatrends unserer Zeit zu beachten und strategisch in Portfolios abzubilden, ohne riskante Zukunftswetten mit echten langfristigen Chancen zu verwechseln.
Wer Vermögen über Generationen erhalten und mehren will, sollte ein robustes Portfolio wie ein seetüchtiges Schiff sehen. Das wird nicht mitten im Sturm umgebaut, sondern man vertraut auf die Konstruktion und hält den Kurs. Die Herausforderungen und Schwankungen an den Märkten sind für eine solide Strategie nicht zwangsläufig eine Bedrohung, sondern eine Eigenschaft des Systems, mit der Anleger umgehen müssen. Oft ist es für den langfristigen Vermögenserhalt das Beste, schlichtweg standhaft zu bleiben und nichts zu tun.
Lesen Sie jetzt unsere kostenlosen eBooks
Erfahren Sie mehr über Anlagestrategien
Um Vermögen langfristig zu erhalten, liegt oft in der Ruhe die wahre Kraft. Denn eine solide Strategie durchzuhalten ist erfolgversprechender als in Panik zu geraten oder auf jeden Zug aufzuspringen.
Der Goldpreis bewegt sich nahe seiner historischen Höchststände. Viele Anleger stellen deshalb die gleiche Frage: Ist Gold inzwischen zu teuer? Aus meiner Sicht führt diese Frage in die falsche Richtung.
Viele Privatanleger kaufen, wenn die Kurse hoch sind, und verkaufen in Krisen. Große Staatsfonds gehen anders vor. Sie setzen auf feste Regeln, breite Streuung und Geduld. Daraus lassen sich wichtige Lehren für den langfristigen Vermögensaufbau ziehen, sagen Vermögensverwalter.