Ausschüttungen unter Druck: Lohnen sich Dividendenaktien trotzdem?
Dividenden sinken bei DAX-Konzernen
Es sind keine guten Nachrichten für Dividendenanleger. Um rund 3,3 Milliarden Euro werden die großen Automobilkonzerne ihre Ausschüttungen nach Schätzung der Analysten der Deka in diesem Jahr zusammenstreichen. Damit werden die 40 DAX-Konzerne insgesamt etwas weniger Dividende zahlen als im Vorjahr.
Dazu kommt ein weiterer Wermutstropfen für Anleger: In den vergangenen Jahren hinkten die Dividendenindizes den marktbreiten Aktienindizes hinterher. Der DivDAX, der die 15 Titel mit den höchsten Dividendenrenditen aus dem deutschen Leitindex enthält, legte in den vergangenen drei Jahren zwar rund 37,8 Prozent zu, doch der DAX selbst kam auf ein Plus von 66,5 Prozent. Und in den USA lief der S&P 500 mit einem Zuwachs von mehr als 75 Prozent klar besser als der S&P Dividend Aristocrats, der nur 21 Prozent zulegte.
Warum Dividendenstrategien zuletzt hinterherhinkten
„Diese Differenz lässt sich mit der starken Wertentwicklung der großen Technologiekonzerne erklären, die in den Dividendenindizes nicht enthalten sind“, sagt Stefanie Dyballa von der KSW Vermögensverwaltung AG in Nürnberg. „Denn wenn man deren Kurszuwachs aus dem S&P 500 herausrechnet und die Ausschüttungen beim S&P Dividend Aristocrats mit berücksichtigt, dann lagen beide Indizes etwa gleich auf.“
Tatsächlich aber wechseln die Favoriten am Aktienmarkt immer wieder. „Es gibt Phasen, in denen Wachstumswerte wie Technologieaktien besser laufen, aber auch Zeiten, in denen sich Value- und Dividendentitel besser entwickeln“, macht Dyrk Vieten von der ficon Vermögensmanagement GmbH in Düsseldorf klar. „Aus diesem Grund würde ich eine breite Diversifikation bei Aktieninvestments empfehlen, was sämtliche Branchen und Regionen und damit Technologiewerte oder Dividendentitel umfasst.“
Aufholpotenzial: Dividendenaktien wieder attraktiver bewertet?
Dass nun wieder eine Phase kommt, in der ein Favoritenwechsel stattfindet, ist nicht auszuschließen. „Der S&P 500 insgesamt weist derzeit ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von fast 30 auf, dagegen sind die Dividendenaristokraten, also beständige Dividendenzahler, nur etwa mit dem 18fachen ihres Gewinns im Schnitt bewertet“, so Dyballa. „Letztere haben damit Aufholpotenzial und das eröffnet Anlegern die Chance auf Kursgewinne.“
Das käme dann zu dem Beitrag, den die Dividenden selbst zur langfristigen Wertentwicklung von Aktien leisten, noch dazu. „Dieser Anteil liegt langfristig bei knapp 40 Prozent“, sagt Vieten. „Trotz der zuletzt eher schwachen Entwicklung ist eine Dividendenstrategie als Bestandteil im Portfolio deshalb weiter ein wichtiger Baustein.“
„Außerdem kann eine Dividendenstrategie dazu beitragen, ein Portfolio zu stabilisieren“, ergänzt Dyballa. Das bestätigt eine aktuelle Studie von Allianz Global Investors (AGI), wonach eine Fokussierung auf Titel mit hoher Dividende in der Vergangenheit die Kursschwankungen tendenziell reduzieren konnten.
Grafik: Dividenden der DAX-Unternehmen

laufenden Jahres (Dividenden). Für die prognostizierten Werte ist die aktuelle Zusammensetzung (Dez. 2025) relevant. Seit 2021 basierend auf 40
DAX-Mitgliedern.
Worauf Anleger bei Dividendenaktien jetzt achten sollten
Für Anleger, die auf regelmäßige Einnahmen aus ihren Investments angewiesen sind, oder die mehr Stabilität in ihr Portfolio bringen wollen, gibt es also gute Gründe um weiter Dividendenaktien dem Portfolio beizumischen. Allerdings warnt Vieten auch – vor dem Hintergrund der anstehenden Dividendenkürzungen bei den deutschen Autobauern – davor, allein auf die Höhe der Dividendenrendite zu achten.
„Es bringt nichts, wenn Sie eine Aktie mit einer hohen Dividendenrendite kaufen, wo das Geschäftsmodell mit strukturellen Problemen konfrontiert ist und folglich deren Kurs weiter fällt“, erklärt er. „Deshalb sollten Anleger vor allem auf Unternehmen setzen, die nachhaltig Ausschüttungen vornehmen und diese idealerweise stets erhöhen.“ Anlageprofis prüfen Unternehmen deshalb unter anderem sehr genau darauf, ob Ausschüttungen aus dem freien Cashflow und nicht über Schulden finanziert werden. „Und auch eine genaue Analyse, ob ein Geschäftsmodell zukunftsfähig und in jedem Umfeld stabil ist, ist wichtig“, ergänzt Dyballa.
Zudem gilt es Klumpenrisiken zu vermeiden. „Anleger sollten deshalb darauf achten, dass sie nicht nur Dividendentitel aus wenigen Branchen nehmen, sondern hier gut diversifizieren“, so Vieten. Und das gilt aber auch für das Aktienportfolio insgesamt. „Ein gut gemischtes und widerstandsfähiges Portfolio sollte Aktien aus allen Branchen und Regionen enthalten“, so Dyballa. „Eine durchdachte Dividendenstrategie ist dann ein Teil davon.“
Interview mit Dyrk Vieten: Vorsicht Dividendenfalle
Wer dividendenstarke Aktien sucht, landet oft bei Titeln mit hoher Dividendenrendite. Das kann ein Fehler sein. Dyrk Vieten von der ficon Vermögensmanagement GmbH erläutert, wo der Haken dabei liegt und wie Anleger bei einer Dividendenstrategie richtig vorgehen.
Dyrk Vieten: Zunächst ist wichtig, dass auf globaler Ebene die Ausschüttungen auf einem Rekordhoch liegen und weiter steigen. Das heißt, grundsätzlich sind Dividenden ein echter Ertragstreiber. Gerade das Beispiel Deutschland, wo die Dividendenkürzungen von den Autokonzernen ausgehen, zeigt aber, dass die Spreizung zwischen „guter“ und „schlechter“ Dividende zunimmt.
Vieten: Eine hohe Dividendenrendite kann trügerisch sein. Das zeigt sich an den Autokonzernen, wo die Renditen mit rund fünf Prozent recht attraktiv aussehen. Doch sie stehen derzeit unter Ertragsdruck, weshalb sie die Dividenden kürzen. Das verdeutlicht die Eigenschaften von Dividenden: Sie sind residuale Gewinnausschüttungen und hängen vom Cashflow und vom Investitionsbedarf ab. Sie können folglich gekürzt oder ganz gestrichen werden und sind kein Ersatz für einen Zinskupon.
Vieten: Ja. Eine hohe Dividendenrendite kann aus einem Kursrückgang resultieren, der eher auf operative Probleme oder strukturelle Umbrüche verweist als auf Ausschüttungsstärke. Sinkt der Aktienkurs dann noch weiter, dann steigt auch die Dividendenrendite. Hier liefert eine hohe Dividendenrendite eben kein Signal für Qualität, sondern für Risiko. Eine solche Dividendenfalle sollten Anleger meiden. Generell besteht eine solche Gefahr gerade in zyklischen Branchen. Dort können Dividenden in guten Jahren üppig wirken, in schwächeren Phasen werden sie dann aber rasch gekürzt. Anleger sollten besser darauf achten, ob eine Dividende dauerhaft gezahlt und nicht gekürzt wird.
Vieten: Ein Unternehmen sollte nur so viel ausschütten, dass es mit dem Investitionsbedarf und den Verschuldungszielen kompatibel ist. Wir suchen deshalb nach Dividendenzahlern, die eine moderate Ausschüttungsquote im Bereich von 40 bis 60 Prozent des Gewinns haben. Dazu muss ein Unternehmen ein qualitativ hochwertiges Geschäftsmodell haben, das dauerhaft erfolgreich ist und mit dem es nachhaltig freie Cashflows erzielen kann. Das ist die Basis für eine persistente und nachhaltig stabile Dividende.
Vieten: Wenn man die oben genannten Kriterien anlegt, ist die Gefahr groß, dass man nur bei den Unternehmen bestimmter Branchen landet. Deshalb gilt es darauf zu achten, dass man dabei keine Klumpenrisiken eingeht. Zusätzlich begünstigt wird eine gute Entwicklung von Dividendenwerten übrigens durch Aktienrückkäufe, die zuletzt deutlich an Bedeutung gewonnen haben. Insgesamt stehen bei uns dividendenstarke Qualitätswerte aus defensiven Sektoren wie Versorgern, Telekommunikation, Basiskonsum und ausgewählten Gesundheitswerten im Fokus.
Vieten: Eine Dividendenstrategie ist für Anleger attraktiv, die auf regelmäßige Erträge aus ihrer Geldanlage angewiesen sind. Sie kann aber auch als Beimischung für den langfristigen Vermögensaufbau einen wertvollen Beitrag leisten, weil Anleger dann, wenn sie die Dividenden immer sofort reinvestieren, vom Zinseszinseffekt profitieren.
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