Der Dollar-Faktor im Depot
Vom Goldstandard zum freien Dollar
1971 hob Präsident Richard Nixon die Goldbindung des Dollars auf – der berühmte Nixon-Schock. Damit endete das Bretton-Woods-System, das den Dollar an Gold koppelte (35 US-Dollar = 1 Unze). Viele Beobachter erwarteten damals den Kollaps der Leitwährung. Die Inflation stieg, die Schulden explodierten – und das Vertrauen schwand.
Die Geburt des Petrodollars
Nach dem Ölpreisschock von 1973 suchten die USA nach einem Weg, die globale Dollar-Nachfrage zu stabilisieren. 1974 schloss Washington ein Abkommen mit Saudi-Arabien, dem größten Ölexporteur der Welt: Saudi-Arabien verkauft Öl ausschließlich in US-Dollar. Im Gegenzug garantieren die USA militärischen Schutz und Rüstungshilfe. Die Saudis investieren ihre Überschüsse in US-Staatsanleihen – das sogenannte Petrodollar Recycling. Andere OPEC-Staaten folgten. Damit musste jedes Land, das Öl kaufen wollte, Dollar halten – und die globale Nachfrage blieb bestehen. Doch die eigentliche Stärke des Dollars liegt nicht im Öl, sondern im Verhalten der Menschen – im Konsum.
Der wahre Grund liegt im Konsum
Der eigentliche Motor der Dollar-Dominanz ist der amerikanische Konsument. Rund 70 Prozent des US-BIP stammen aus privatem Konsum – deutlich mehr als in anderen großen Volkswirtschaften. Noch beeindruckender: Die USA stehen für rund 25 Prozent des weltweiten privaten Konsums – also ein Viertel des gesamten globalen Konsumverhaltens findet innerhalb der USA statt. Das bedeutet: Unternehmen weltweit wollen Zugang zu diesem riesigen Markt. Sie verkaufen ihre Waren an amerikanische Verbraucher – und werden dafür in US-Dollar bezahlt.
Warum die Dollar-Nachfrage trotzdem steigt
Man könnte meinen: Wenn Exporteure Dollar einnehmen, müssten sie diese doch in ihre Heimatwährung tauschen. Aber das tun sie oft nicht – und genau das hält den Dollar stark.
- Exportüberschüsse werden angelegt:
Unternehmen und Zentralbanken behalten ihre Dollarerlöse und investieren sie in US-Vermögenswerte – etwa in Staatsanleihen, Aktien oder Unternehmensanleihen. - Finanzierungsbedarf in US-Dollar:
Rund die Hälfte aller weltweiten Kredite außerhalb der USA sind in Dollar denominiert. Unternehmen und Staaten brauchen Dollar, um Schulden zu bedienen – das erzeugt Nachfrage. - Rohstoffe werden in Dollar bezahlt:
Viele Exporteure müssen Rohstoffe und Energie in Dollar einkaufen, um ihre Produktion am Laufen zu halten – der Kreislauf schließt sich. - Sicherheit und Zinsvorteil:
US-Staatsanleihen gelten global als sicherster Hafen. Selbst kleine Renditen sind attraktiver als unsichere Anlagen in anderen Währungen.
Bemerkenswert ist, dass rund 70 Prozent aller physischen US-Dollar außerhalb der Vereinigten Staaten zirkulieren – ein Zeichen dafür, dass der Dollar längst zur funktionalen Weltwährung geworden ist. Auch hat der US-Dollar im Gegensatz zu vielen anderen Währungen noch nie eine Währungsreform erlebt.
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Der Vertrauensbruch: Gold als neues Anlageziel
Der Kreislauf, in dem die Welt ihre Dollar-Überschüsse in US-Treasuries reinvestiert, gerät jedoch zunehmend ins Wanken. Der Dollar-Anteil an den weltweiten offiziellen Devisenreserven ist auf rund 58 Prozent gesunken. Zentralbanken kaufen physisches Gold in Rekordmengen. Das ist ein deutliches Misstrauensvotum gegenüber der politischen Neutralität des Dollars. Die Sanktionspolitik der USA hat gezeigt, dass Dollar-Assets politischen Risiken unterliegen. Gold ist immun gegen das Einfrieren von Konten – es bietet die Unabhängigkeit, die Staaten in einer fragmentierten Welt suchen.
Trotzdem gilt: Gold ist die Versicherung – der Dollar bleibt das Werkzeug. Er ersetzt keine Liquidität, keine Zinsen und keine Kreditmärkte.
Die Risiko-Analyse für EU-Investoren
Der Euro hat einige strukturelle Schwächen, die ihn gegenüber dem US-Dollar verletzlicher machen können: Keine gemeinsame Finanzpolitik – jedes Euroland entscheidet selbst über Schulden und Steuern. Uneinheitliche Banken- und Kapitalmärkte.
Politische Uneinigkeit – Entscheidungen brauchen Zeit und Kompromisse. Hohe Schulden einzelner Mitgliedsstaaten.
Keine gemeinsame Staatsanleihe als einheitliches „sicheres“ Euro-Investment. Geringeres Wachstumspotenzial und demografische Alterung.
Das Ergebnis: Der Euro ist eine politische Währung – der Dollar eine funktionierende.
Fazit
Der US-Dollar profitiert von einer einheitlichen Wirtschaft, Politik und Finanzstruktur. Der Euro dagegen bleibt ein Kompromiss vieler Staaten. Das macht den Dollar in Krisenzeiten oft zur stabileren Währung.
Kurz gesagt: Der US-Dollar bleibt für Anleger im Euroraum eine wertvolle Ergänzung im Portfolio. Auch wenn er nicht fehlerfrei ist, bietet er Stabilität in Zeiten, in denen der Euro unter Druck geraten kann.
Die Metapher vom Bären
Aus der Sicht eines Euro-Investors:
„Wenn eine aufstrebende Währung wie der Yuan ein Bär ist, der den Dollar und den Euro jagt, dann muss der Dollar nicht schneller als der Bär sein – nur schneller als der Euro. Und der Dollar trägt Turnschuhe.“
Nicht Gold, nicht Öl, sondern die Kaufkraft der Menschen ist die wahre Deckung des US-Dollars. Solange der amerikanische Konsum ein Viertel des Weltverbrauchs ausmacht, wird der Dollar weiterlaufen – und zwar schneller als der Euro.
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Die Anlage in Wertpapieren ist auch immer mit Risiken verbunden. Anleger sollten sich vor Abschluss einer Investition über die einschlägigen Risiken informieren. Nähere Informationen zu möglichen Risiken finden Sie unter: https://www.v-check.de/risikohinweise