Tagesgeld in unsicheren Zeiten! Klingt vernünftig, oder?

Tagesgeld in unsicheren Zeiten! Klingt vernünftig, oder?


Zwei, drei oder gar vier Prozent Zinsen und jederzeit verfügbar - das ist doch ein Grund zu jubeln, könnte man denken. Warum solche Lockangebote schön und gut sind, aber auf keinen Fall eine langfristige Strategie ersetzen sollten.

Der Irankrieg hat es uns wieder bewusst gemacht, was wir schon zu Coronazeiten erlebt haben: Unsere Lieferketten sind verletzlich und sobald ein neuralgischer Punkt wie die Straße von Hormus betroffen ist, gibt es globale Auswirkungen. Plötzlich steigen die Preise für Energie und damit auch für viele Waren, die Inflation scheint wieder kräftigen Aufwind zu bekommen. Ein Ende ist mal mehr, aber leider oft auch mal wieder weniger schnell in Sicht.

In dieser Phase erlebt ein altbekanntes Phänomen eine Renaissance: Das Tagesgeld-Lockangebot. Denn es ist ein absolut verständlicher Reflex in solch unsicheren Zeiten, dass Anleger ihr Erspartes jetzt am liebsten maximal flexibel anlegen wollen. Wenn es dann auch noch bis zu vier Prozent Zinsen fürs Tagesgeld gibt und das dank gesetzlicher Einlagensicherung für bis zu 100.000 Euro quasi ohne Risiko sein soll, dann ist das doch das perfekte Investment. Nach aktuellen Marktübersichten von Verivox sind Aktionszinsen von bis zu vier Prozent für Neukunden derzeit vereinzelt verfügbar. Zudem sind Bankguthaben in Deutschland im Rahmen der gesetzlichen Einlagensicherung bis zu 100.000 Euro je Kunde und Bank geschützt.

V-CHECK Video: Tagesgeld: Warum viele Anleger Geld verlieren

Tagesgeld gilt für viele als sichere Möglichkeit, Geld zu parken. Doch wie attraktiv ist diese Anlageform aktuell wirklich? Anton Vetter von der BV & P Vermögen AG erklärt, warum Tages- und Festgeld im Vergleich zu anderen Assetklassen langfristig meist die niedrigsten Renditen erzielen.

Aber Vorsicht, auch hier gilt: Wenn es zu gut klingt, ist oft ein Haken dran. Denn die Lockangebote richten sich meist nur an Neukunden und sind zeitlich limitiert. Das ist erstmal gar nichts Verwerfliches, aber das Kalkül ist einfach: Wer sich erst vor wenigen Wochen den Stress angetan hat, ein neues Konto zu eröffnen und Geld umzuschichten, wird das vielleicht nicht sofort wieder machen. In nicht wenigen Fällen bleibt dann das Geld auch nach dem Auslaufen der Sonderkonditionen liegen und als langfristige Anlageform bringt Tagesgeld unter dem Strich erfahrungsgemäß weniger, als das Vermögen Kaufkraft durch die Inflation verliert. Die Deutsche Bundesbank weist darauf hin, dass Inflation die Kaufkraft des Geldes mindert und Spareinlagen bei einer Verzinsung unterhalb der Inflationsrate real an Wert verlieren.

Tagesgeld ist wichtig, aber nur ein Baustein

Denn natürlich ist es ohne Frage ratsam, einen Teil des Vermögens kurzfristig verfügbar zu positionieren. Es macht auf jeden Fall Sinn dafür Tagesgeld zu nutzen, um einen sprichwörtlichen Notgroschen als Reserve zu haben, der zumindest im Vergleich zum Girokonto wenigstens etwas abwirft. Denn überraschende Ausgaben kann es immer geben, von der großen Autoreparatur bis zur kaputten Waschmaschine – und ja, ein Unglück kommt selten allein. Das heißt, die Notreserve sollte durchaus großzügig bemessen sein. Verbraucherschützer empfehlen etwa drei bis sechs Netto-Monatsgehälter auf der hohen Kante zu haben. Auch die Verbraucherzentrale empfiehlt, eine finanzielle Reserve für unvorhergesehene Ausgaben vorzuhalten; als Faustregel werden häufig drei bis sechs Monatsgehälter genannt.

Und natürlich ist es besser, wenn diese Summe mit vier statt zwei Prozent verzinst wird. Aber wer denkt, so etwas würde eine langfristige Investmentstrategie für das komplette Vermögen ersetzen können, täuscht sich häufig. Die Bundesbank rechnet für das laufende Jahr mit einer Inflationsrate von 2,9 Prozent und erwartet mit 2,7 Prozent auch im nächsten Jahr keine grundsätzliche Trendumkehr bei der Geldentwertung. Diese Prognose stammt aus der Deutschland-Prognose der Deutschen Bundesbank im Monatsbericht Juni 2026.

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Steigende Energiepreise, geopolitische Spannungen und neue Zinssorgen setzen die Kapitalmärkte enorm unter Druck. Gleichzeitig verschieben steigende Renditen, technische Marktbewegungen und sektorale Ausschläge das Kräfteverhältnis zwischen Aktien, Anleihen und Rohstoffen deutlich. Steht jetzt der nächste große Wendepunkt an den Märkten bevor?

Fragen dazu von Melina Rost an Chris-Oliver Schickentanz, Chef-Anlagestratege und Vorstand der Capitell AG, im Interview.

Ein Hopping von einem Lockangebot zum nächsten könnte das vielleicht ausgleichen, aber eine wirkliche Strategie ist das nicht. Ganz abgesehen davon, dass die meisten dann doch irgendwann die Lust am ständigen Kontowechseln verlieren und letztlich bei den Standardkonditionen landen, die momentan um die zwei Prozent im Jahr liegen. Nach Auswertungen des Vergleichsportals Verivox liegen die unbefristeten Standardzinsen vieler Banken deutlich unter den befristeten Aktionszinsen für Neukunden. Ab diesem Punkt verliert dann das dort geparkte Vermögen real betrachtet Stück für Stück an Kaufkraft.

Strategie statt Reflex!

Auch wenn es psychologisch völlig verständlich ist, angesichts der oft irrational wirkenden Weltpolitik, schwankungsanfälligen Märkten und der wirtschaftlich zumindest hierzulande alles anderen als einfachen Lage, nach sicher wirkenden Alternativen zu suchen. Es mag manchen verrückt vorkommen, aber genau in solchen Situationen hat es sich in der Historie meist bewährt, eine langfristige Investmentstrategie zu entwickeln oder eine bestehende durchzuhalten.

Das bedeutet nicht, dass hier das Thema Sicherheit nicht berücksichtigt werden sollte. Ganz im Gegenteil! Statt nur auf eine Möglichkeit zu vertrauen, erscheint es sinnvoller, bewusst verschiedene Optionen zu nutzen. Das bedeutet vor allem, unterschiedliche Anlageklassen wie etwa festverzinsliche Papiere, Aktien oder auch Edelmetalle wie Gold im Portfolio zu mischen, um so Risiken und Chancen auszubalancieren. Denn natürlich gibt es auch die zum Teil faszinierend hohe Bewertung von KI-Träumen und Weltraum-Hoffnungen. Die Fallhöhe so manches heute gehypten Aktienwerts sollte nicht unterschätzt werden. Aber gleichzeitig gibt es auch echte wachsende Umsätze und Gewinne über viele Branchen, Länder und Währungsräume hinweg, die zum Beispiel die Infrastruktur für das beginnende Digitalzeitalter liefern.

Eine strategische Vermögensaufteilung kann solche Aussichten nutzen, kann dazu beitragen, Vermögenswerte langfristig möglichst real zu erhaltenUm Risiken zu streuen und trotzdem solche Chancen zu nutzen, sollte nie nur auf eine Option gesetzt werden. Übrigens sind auch Tagesgeldlockangebote nicht konkurrenzlos: Kurzlaufende deutsche Bundesanleihen werden von einigen Anlegern ebenfalls als Baustein der Liquiditätsreserve genutzt. Die bieten eine vergleichbare Flexibilität und eventuell sogar noch etwas mehr Renditeaussicht. Nach Angaben der Deutschen Finanzagentur richten sich Rendite und Kurs von Bundeswertpapieren nach dem aktuellen Kapitalmarktumfeld. Daher sollte die jeweilige Rendite vor einer Anlageentscheidung immer aktuell geprüft werden.

Das könnte auch eine gute Alternative für den Vermögensbaustein „Notreserve“ sein, als Teil einer gut ausbalancierten, diversifizierten Vermögensstruktur, die einen langfristigen realen Kapitalerhalt möglich macht.

Tagesgeld oder kurzlaufende Bundesanleihen?

Tagesgeld Kurzlaufende Bundesanleihen
Täglich verfügbar Feste Laufzeit bis zur Rückzahlung
Gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro je Kunde und Bank Bonität der Bundesrepublik Deutschland
Aktionszinsen häufig zeitlich begrenzt Rendite richtet sich nach dem aktuellen Kapitalmarktzins
Gut geeignet für den kurzfristigen Liquiditätspuffer Ebenfalls als Baustein der Liquiditätsreserve geeignet

Quellen: Deutsche Bundesbank; Deutsche Finanzagentur, gesetzliche Einlagensicherung – Vergleich auf Basis der Merkmale Liquidität, Sicherungsmechanismus bzw. Bonität und Zinsmechanik

Das Wichtigste im Überblick

  • Tagesgeld eignet sich vor allem für den Notgroschen und kurzfristig verfügbares Vermögen.
  • Lockangebote sind häufig zeitlich befristet und richten sich überwiegend an Neukunden.
  • Langfristig kann Tagesgeld den Kaufkraftverlust durch Inflation häufig nicht vollständig ausgleichen.
  • Eine breite Streuung über verschiedene Anlageklassen kann helfen, Risiken zu begrenzen und Ertragschancen zu verbessern.
  • Kurzlaufende Bundesanleihen können – abhängig vom Marktumfeld – eine sinnvolle Ergänzung für die Liquiditätsreserve sein.

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