Quo vadis Ölpreis?
Der Blick auf die Preisanzeige an der Tankstelle verheißt nichts Gutes. Erdöl und die daraus gewonnenen Produkte sind wieder knapp. Das hat vielfältige Gründe. Nicht zuletzt sorgt die wechselhafte Kriegsführung der USA im Iran dafür, dass der Ölpreis nicht zur Ruhe kommt. Gleichzeitig führt die Drohnen-Strategie der Ukraine, die offensichtlich erfolgreich auf Raffinerien und Erdölinfrastruktur zielt, zu Benzin- und Dieselmangel beim Ölexportland Russland. Russland hat die Ausfuhr von Kraftstoffen eingeschränkt. Gleichzeitig kommt es in mehreren Regionen des Landes zu Versorgungsproblemen an den Tankstellen.
Die Sorgen wachsen bei uns in Europa und in Amerika. Denn sollte das schwarze Gold wirklich wieder langfristig deutlich teurer werden, könnte das die Inflation insgesamt anheizen. Letztlich könnte das dann die Notenbanken zwingen, durch Zinssteigerungen gegenzusteuern, was grundsätzlich weder die Konjunktur noch die Aktienmärkte erfahrungsgemäß besonders zu schätzen wissen. Doch ist die Preisspirale bei Erdöl wirklich so eindeutig?
Vielschichtiges Bild
Tatsächlich ist es keine gute Nachricht, dass der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus weiterhin stark eingeschränkt ist. Immerhin wurden durch diese Engstelle zuletzt rund 20 Prozent des weltweiten Verbrauchs von Erdöl und Erdölprodukten transportiert, wie Daten der US-Energiebehörde EIA zeigen.
Grafik: Wie viel Öl fließt durch Straße von Hormus?
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Gleichzeitig haben iranische Angriffe auch Ölinfrastruktur in den Golfstaaten getroffen. So meldete Kuwait im Juli erhebliche Schäden an einer Ölanlage infolge wiederholter iranischer Angriffe, wie Reuters berichtete. Die Folgen könnten länger anhalten. Nach Einschätzung der US-Energiebehörde EIA könnten Teile der ausgefallenen Produktion im Nahen Osten bis Ende 2027 nicht zurückkehren.
Welche Folgen eine solche Kriegsstrategie haben kann, zeigt sich derzeit in Russland. Ukrainische Drohnenangriffe auf Raffinerien tragen dort zu Kraftstoffengpässen bei. In mehreren Regionen wurde der Verkauf von Kraftstoffen an Tankstellen bereits eingeschränkt, wie Reuters berichtet.
V-CHECK Video: Kapitalmarktausblick: Was steigende Ölpreise für Aktien und Anleihen bedeuten
Der Kapitalmarktausblick für August wirft zentrale Fragen für Anleger auf: Wie stark belasten Ölpreis, Inflation und steigende Anleiherenditen die Finanzmärkte? Ist der KI-Boom vorerst vorbei? Zwischen geopolitischen Risiken, Zinsspekulationen und US-Zwischenwahlen entstehen neue Dynamiken. Welche Anlageklassen profitieren könnten und wo Vorsicht angebracht ist, sorgt derzeit für intensive Diskussionen an den Märkten.
Antworten von Chris-Oliver Schickentanz, Chefanlagestratege und Vorstandssprecher der Capitell AG, im Interview mit Melina Rost.
Kurzfristig spricht wenig dafür, dass deutsche Autofahrer bald wieder günstig Sprit zapfen können. Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Denn gleichzeitig gibt es Faktoren, die den Preisanstieg in Grenzen halten könnten. Zum Beispiel haben sieben OPEC+-Staaten beschlossen, ihre Fördermenge im August erneut leicht anzuheben, wie die Organisation Anfang Juli mitteilte. Zudem könnte die schwächere globale Ölnachfrage den Preisanstieg begrenzen. Die Internationale Energieagentur erwartet für 2026 einen Rückgang. Außerdem, selbst wenn die Strategien von US-Präsident Trump oft kaum vorhersagbar sind, dürfte er sehr motiviert sein, den Krieg im Iran in absehbarer Zeit zu beenden. Denn bei den Midterm-Wahlen im November stehen die Mehrheiten in Kongress und Senat auf dem Spiel.
Der Konflikt im Nahen Osten löst selbst unter Trump-Anhängern wenig Begeisterung aus. In den USA führt die Hormus-Blockade ebenfalls zu spürbaren Preisanstiegen. Der Druck auf die US-Regierung sollte folglich verhältnismäßig groß sein, doch noch eine schnelle Lösung herbeizuführen. Aktuelle Analystenprognosen deuten für 2027 eher auf wieder niedrigere Ölpreise hin. Das zeigt eine Reuters-Umfrage unter 31 Ökonomen und Analysten.
Was den Ölpreis derzeit treibt
| Preistreibende Faktoren | Preisdämpfende Faktoren |
|---|---|
| Einschränkungen an der Straße von Hormus | Höhere Fördermengen der OPEC+ |
| Angriffe auf Ölinfrastruktur | Schwächere Nachfrage |
| Schäden an Raffinerien und Förderanlagen | Aussicht auf politische Entspannung |
Ob ein Fass Erdöl bald wieder weniger als 70 Dollar kostet oder doch die Marke von 100 Dollar überspringt, kann niemand sicher vorhersagen. Was bedeutet das für deutsche Anleger?
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Für langfristig ausgerichtete Vermögensstrategien sind kurzfristige Schwankungen der Zapfsäulenpreise nur einer von vielen Einflussfaktoren. Die dürften noch eine ganze Weile schwanken. Dabei ist die Richtung keineswegs so eindeutig, wie viele im Moment glauben. Es gibt keine Garantie, dass eine weitere Eskalation rund um den Iran nicht doch noch einen Ölpreisschock auslöst. Ein sprunghafter Anstieg des Ölpreises könnte den Inflationsdruck erhöhen und Folgen für die Zinsen haben.
Grafik: Wie eng sind Öl- und Spritpreise aneinander gekoppelt?
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Wie sich die US-Politik nach den Midterm-Wahlen am 3. November 2026 entwickelt, lässt sich kaum vorhersagen. Wenn einem die letzten Jahre etwas gelehrt haben, dann dass es gut ist, mit wirklich allem zu rechnen. Rückblickend zeigt sich allerdings, dass Phasen ohne wirtschaftliche oder politische Unwägbarkeiten selten waren. Denn die kamen einfach nicht.
Gerade in unsicheren Zeiten zeigt sich die Anpassungsfähigkeit gut aufgestellter Unternehmen. Denn natürlich leiden sie unter Zollkapriolen, Inflationsdruck, Lieferkettenproblemen, Energiepreissteigerungen, Bürokratie und weiteren Belastungen. Gleichzeitig ist es immer wieder faszinierend zu beobachten, wie Unternehmen Herausforderungen annehmen und sich an veränderte Bedingungen anpassen. Dabei gelingt es ihnen, neue Wertschöpfungschancen zu nutzen.
Langfristig ausgerichtete Vermögensstrategien können auf verschiedenen Anlageklassen aufbauen, etwa Edelmetallen, Zinsbausteinen und Aktien. Dem stehen insbesondere Kurs- und Verlustrisiken gegenüber, die sich in wirtschaftlichen Schwächephasen verstärken können.
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Heizöl, Diesel und Benzin werden immer teurer. Das lässt Inflationsängste aufkommen und schürt Konjunktursorgen. Das muss alles nicht so kommen! Und selbst wenn, spricht das nicht gegen eine langfristig ausgerichtete Vermögensstrategie.
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Es ist kein Mythos, dass Grund und Boden eine der solidesten Grundlagen für den Vermögensaufbau sind. Gerade landwirtschaftliche Nutzflächen bieten zudem regelmäßige Einnahmemöglichkeiten und das nicht nur durch den Anbau von so etwas wie Weizen und Kartoffeln, sondern auch durch die Ernteerträge von erneuerbaren Energien.