Investieren in den elektrischen Energiehunger

Investieren in den elektrischen Energiehunger


Der weltweite Strombedarf wächst rasant – und damit auch ein mögliches Anlagefeld für Investoren. Doch wer davon profitieren möchte, sollte nicht nur auf den Boom rund um künstliche Intelligenz schauen, sondern genauer hinschauen, wo der steigende Energiebedarf tatsächlich Wertschöpfung erzeugt.

Eine Welt ohne Strom ist für die meisten Menschen kaum noch vorstellbar und der Bedarf wächst in vielen Bereichen weiter. Etwa für das Heizen im Winter mit Wärmepumpen oder beim Kühlen in immer heißer werdenden Sommern mit Klimaanlagen. Auch das Aufladen von Elektroautos verbraucht zunehmend elektrische Energie. Hinzu kommen neue Treiber wie das Mining von Kryptowährungen oder der Einsatz künstlicher Intelligenz.

Digitalisierung treibt den Stromverbrauch

Die voranschreitende Digitalisierung könnte den Stromverbrauch deutlich erhöhen. Die derzeit weltweit entstehenden Rechenzentren verbrauchen jede Menge Strom – nicht nur für die Rechenleistung, sondern auch für die Kühlung der Anlagen.

„Der weltweite Strombedarf von Rechenzentren könnte sich von rund 600 TWh im Jahr 2025 auf etwa 1.600 TWh bis 2030 erhöhen, wobei KI-Anwendungen einen wesentlichen Treiber darstellen“, prognostizierte das Beratungsunternehmen McKinsey in einer im Februar erschienenen Studie (McKinsey, 2026: Zukunftspfad Stromversorgung. Perspektiven zu Systemkosten, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit bis 2035).

Solche Szenarien beflügeln manche Visionen. Tesla- und SpaceX-Gründer Elon Musk etwa stellte kürzlich die These auf, Rechenzentren könnten künftig als Satelliten im Weltall betrieben werden, um besonders günstig Solarenergie zu nutzen. Sicher muss man nicht jeder Idee von Musk folgen und es gibt andere Experten wie OpenAI-CEO Sam Altman, der Rechenzentren im Weltall für eine „lächerliche“ Vision hält.

Unabhängig von solchen Zukunftsspekulationen ist jedoch klar: Eine günstige und zuverlässige Stromerzeugung im Zuge der Digitalisierung zu einem ganz entscheidenden Faktor wird, ist jedoch unumstritten. Dies zeigen auch Bemühungen etwa von Google oder Microsoft, die für die Versorgung von Rechenzentren Atomkraftwerke neu bauen oder alte Anlagen wieder in Betrieb zu nehmen möchten – unabhängig davon, ob das eine wirklich durchsetzbare und rentable Idee ist. Stromversorgung ist ein Zukunftsthema und damit auch für Anleger interessant.

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Acht Monate in Folge steigen europäische Aktien – die längste Gewinnserie seit über einem Jahrzehnt. Trotzdem fühlt sich die Rally für viele Anleger überraschend verhalten an. Zwischen neuen Allzeithochs, schwächelnden Tech-Werten und politischen Unsicherheiten stellt sich die zentrale Frage: Wie nachhaltig ist dieser Aufschwung an den Märkten wirklich?

Fragen dazu von Melina Rost an Chris-Oliver Schickentanz, Chef-Anlagestratege und Vorstand der Capitell AG, im Interview.

Nicht nur klassische Versorger sind Power-Profiteure

Von der wachsenden Nachfrage nach Strom dürften einerseits klassische Versorger profitieren. Auch andere Branchen könnten interessante Chancen bieten. Hersteller von Notstromlösungen wie Ersatzaggregate gehören heute eigentlich zu jeder vernünftigen Planung für den Fall eines Blackouts, denn die Zuverlässigkeit von Rechenzentren ist ein wichtiger Faktor. Noch bodenständiger gedacht eröffnen sich Möglichkeiten bei der notwendigen Infrastruktur. Der Ausbau von Stromnetzen, Rechenzentren und Ladeinfrastruktur wird ohne Kabel, Transformatoren und Installationsleistungen kaum möglich sein. Hersteller entsprechender Komponenten dürften ebenso volle Auftragsbücher haben wie Unternehmen, die diese Netze installieren und betreiben.

Sind die Aktien dieser Unternehmen, die den Energiehunger der Zukunft zu stillen helfen, also todsichere Tipps, die automatisch zum Börsenerfolg führen? So einfach ist es leider nicht, denn an den Märkten wird eigentlich immer schon die Zukunftserwartung gehandelt. Das heißt, die Kurse vieler interessanter Unternehmen bilden die Entwicklung eines erhöhten Strombedarfs bereits ab.

Sollte es zum Beispiel zu einem erneuten Einbruch der Weltwirtschaft kommen und im Zuge dessen auch der Strombedarf sich nicht wie prognostiziert entwickeln, können Erwartungen auch schnell enttäuscht werden. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Zunahme des Strombedarfs relativ gleichlaufend zur Weltwirtschaftsentwicklung bewegt. Auch wenn sich die zuletzt vermehrt aufgekommenen Zweifel mehren sollten, ob sich die enormen Investitionen in den Bereich künstliche Intelligenz irgendwann rechnen werden, könnte die Entwicklung ausgebremst werden. Also ist ein Investment rund um Strom auch nur eine Spekulation auf den KI-Erfolg?

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Die Weltwirtschaft steht vor einem Jahr voller Unsicherheiten. Geopolitische Konflikte, protektionistische Tendenzen, Inflation und strukturelle Schwächen in Europa prägen den Ausblick auf 2026. Gleichzeitig sorgen Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und die Energiewende für neue Impulse an den Märkten.

Fragen dazu von Börsenmoderator Andreas Franik an Prof. Dr. Hartwig Webersinke, Leiter des Instituts für Vermögensverwaltung an der Technischen Hochschule Aschaffenburg, im Interview.

Breite Basis

Tatsächlich wird das Thema Digitalisierung und Co. eine gewichtige Rolle spielen, aber es darf auch nicht überbewertet werden. Global lag die Stromproduktion laut internationaler Energieagentur im Jahr 2025 bei 28.200 TWh und soll bis 2030 jährlich um 3,6 Prozent auf dann 33.600 TWh wachsen (IEA, 2026: Electricity 2026 – Analysis and forecast to 2030). Hauptwachstumstreiber ist, zumindest noch in den nächsten 5 Jahren, in dieser Prognose die Entwicklung in aufstrebenden Wirtschaftsnationen wie China und Indien.

Da ist KI natürlich ein Thema, aber letztlich nur ein Faktor unter vielen. Die Versorgung mit elektrischer Infrastruktur und Energie wird künftig wichtig sein und gehört nicht zuletzt auch zur kritischen Infrastruktur. Auch ohne wilde Spekulationen um Satelliten-Rechenzentren. Trotzdem würden wir in diesem Bereich empfehlen, nicht nur auf den einen möglichen Gewinner zu setzen, der vielleicht heute noch gar nicht wirklich absehbar ist. Um Risiken zu verteilen, macht es Sinn, mehr als eine Option zu nutzen. Also zum Beispiel Unternehmen aus verschiedenen Branchen, Regionen und Währungsräumen, die alle bei einem zunehmenden Strombedarf profitieren sollten.

Gerade bei langfristigen Trends wie dem steigenden Strombedarf gilt: Nicht jede Entwicklung lässt sich über einzelne Gewinner an der Börse abbilden. Für Anleger kann es deshalb sinnvoll sein, unterschiedliche Branchen und Anlageklassen zu kombinieren. Eine breit aufgestellte Vermögensstruktur hilft, Chancen solcher Trends zu nutzen, ohne sich zu stark von einer einzelnen Zukunftserwartung abhängig zu machen.

Das Wichtigste für Anleger

  • Der weltweite Strombedarf wächst deutlich – auch durch Digitalisierung und KI.
  • Rechenzentren, Elektromobilität und Klimatisierung erhöhen die Nachfrage zusätzlich.
  • Profiteure finden sich nicht nur bei Energieversorgern, sondern auch in Infrastruktur- und Zulieferbranchen.
  • Viele Erwartungen sind an den Börsen bereits eingepreist.
  • Breite Streuung bleibt deshalb der wichtigste Schutz vor Fehlentwicklungen einzelner Trends.

Die Anlage in Wertpapieren ist auch immer mit Risiken verbunden. Anleger sollten sich vor Abschluss einer Investition über die einschlägigen Risiken informieren. Nähere Informationen zu möglichen Risiken finden Sie unter: https://www.v-check.de/risikohinweise

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