Rekorde oder Rückschläge – was bringt 2026 für Anleger?
Sie kennen sicher die Redewendung „den Kopf in den Sand stecken“. Angeblich tut das der Vogel Strauß, wenn Gefahr naht und ignoriert einfach die Bedrohung, in dem er nichts tut. Ein Verhalten, das sich auch bei so manchem Sparer beobachten lässt. Um Risiken angesichts der vielfältigen Bedrohungslage zu vermeiden, wird das Ersparte einfach nicht angerührt und bleibt auf dem Girokonto oder unter dem sprichwörtlichen Kopfkissen. Aber ist das für 2026 eine wirklich gute Strategie?
2026: Moderate Prognose
Die Aussichten für 2026 sind gemischt: Die OECD geht nach 3,2 Prozent in 2025 von einem leicht sinkenden, aber weitgehend stabilen globalen Wirtschaftswachstum von 2,9 Prozent in 2026 aus. Allerdings ist die Lage in der Welt sehr unterschiedlich. Zum Beispiel soll die deutsche Volkswirtschaft, die zuletzt nur um 0,3 Prozent wuchs, sich erholen: Mit 1,0 Prozent in 2026 ist der ehemalige Exportweltmeister aber noch immer im unteren Tabellendrittel der G20-Staaten.
Auch die USA sind mit einem Absinken des Wirtschaftswachstums von 2,0 auf 1,7 Prozent in 2026 nicht gerade an der Spitze der prognostizierten Weltwirtschaftsentwicklung. Hier finden sich Staaten aus Asien, wie Indien, China und Indonesien. Eines der größten Probleme der letzten Jahre, die Geldentwertung, soll sich weiter abschwächen. Global gesehen lag die Inflation bei 3,4 Prozent in 2025 und soll in 2026 auf 2,9 Prozent sinken. Aber was bedeuten solche Zahlen für jemanden, der sein Kapital erhalten will oder für einen sorgenfreien Lebensabend spart?
Risiken sehen, aber das Offensichtliche nicht vergessen
Niemand kann sich für eine Prognose etwas kaufen und es gibt auch keine Garantien, dass sich die Welt tatsächlich in die erwartete moderate Richtung entwickelt. Die OECD weist zum Beispiel darauf hin, dass die positive Entwicklung vom Boom der künstlichen Intelligenz getragen wird. Sollten hier Erwartungen enttäuscht werden oder technische Neuentwicklung die Lage grundsätzlich verändern, könnte alles ganz anders laufen. Auch die Auswirkungen der US-Zollpolitik auf Weltwirtschaft und Geldwertstabilität „müssen erst noch gefühlt“ werden, schreibt die OECD.
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Gleichzeitig wird vor einem ganzen Strauß von Risiken gewarnt, wie explodierenden Staatsverschuldungen, Schwankungsrisiken von Kryptowährungen und den allgemeinen Unsicherheiten, wie etwa die brüchige geopolitische Lage.
Außerdem ist die Nachrichtenlage in Deutschland nicht gerade von Optimismus geprägt, egal ob es um unsere wichtigsten Industriezweige oder die dringenden Reformvorhaben in der Politik geht. Jetzt mag sich mancher denken, das klingt nicht gut, da ist es sicher die beste Idee, Geld möglichst flüssig für Krisen und Notfälle zusammenzuhalten. Was zunächst nach einer völlig logischen Konsequenz klingt, ist aber ziemlich wahrscheinlich keine gute Idee.
Denn es stimmt, in 2026 gibt es jede Menge Unsicherheit. Aber dabei sollte nicht vergessen werden, die gab es größtenteils auch schon in 2025 und – mit Blick auf die vergangenen Jahre – werden auch die kommenden Jahre nicht frei von Risiken sein.
V-CHECK Video: Wie unsicher wird das Jahr für Aktien, Anleihen, Gold und den US-Dollar?
Die Weltwirtschaft steht vor einem Jahr voller Unsicherheiten. Geopolitische Konflikte, protektionistische Tendenzen, Inflation und strukturelle Schwächen in Europa prägen den Ausblick auf 2026. Gleichzeitig sorgen Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und die Energiewende für neue Impulse an den Märkten.
Fragen dazu von Börsenmoderator Andreas Franik an Prof. Dr. Hartwig Webersinke, Leiter des Instituts für Vermögensverwaltung an der Technischen Hochschule Aschaffenburg, im Interview.
Chancen mit Sinn und Verstand nutzen
Wer aber im Dauerkrisenmodus einfach immer weiter nichts tut, der gefährdet langfristig Vermögenswerte. Das war in den letzten Jahren mit den zum Teil zweistelligen Inflationsraten offensichtlich. Die Zahl auf dem Girokonto wurde nicht weniger, aber die Dinge und Dienstleistungen, die man sich dafür kaufen konnte. Wer also für einen angenehmen Lebensabend vorsorgte oder die Kaufkraft des Vermögens einer Familie auf Dauer erhalten wollte, musste handeln. An dieser Ausgangslage hat sich grundsätzlich nichts geändert. Die Inflation ist zwar etwas abgeschwächt, liegt aber immer noch deutlich über dem Zinsniveau.
Heißt das jetzt, jeder muss Aktien von KI-Unternehmen kaufen, um sein Erspartes zu erhalten? Ganz sicher nicht, denn gute Geldanlage funktioniert nicht wie ein Besuch im Casino. Aber tatsächlich ist es eine Überlegung wert, einen Teil des Vermögens in sorgfältig ausgewählte Möglichkeiten aus diesem spannenden Bereich zu investieren. Gleichzeitig empfiehlt es sich aber immer, Risiken möglichst breit zu streuen. Also nicht nur auf eine Branche, eine Region, einen Währungsraum oder selbst eine Anlageklasse oder eine Strategie zu setzen.
Was Anleger aus den Prognosen für 2026 ableiten können
- Unsicherheit ist kein Ausnahmezustand, sondern ein dauerhaftes Merkmal der Kapitalmärkte.
- Nichtstun schützt nicht automatisch vor Wertverlusten – insbesondere bei Inflation.
- Breite Streuung bleibt wichtiger als punktuelle Wetten auf einzelne Trends.
- Strategie schlägt Timing: Entscheidend ist weniger die kurzfristige Prognose als eine tragfähige langfristige Ausrichtung.
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